Querschnitt von 1300 bis zur Gründung der Heinzebank
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 6 vom 9. Februar 1941. S. 4.
Schon um 1315 dürfte bei Ehrenfriedersdorf Bergbau getrieben worden sein. Man fand eine Quittung aus diesem Jahre über ein Quantum nach Geyer geliefertes Zinn. Ein Jahrhundert vor der Gründung Annabergs hatte Ehrenfriedersdorf gangbare Zechen. In einer Vergleichsurkunde zwischen deren Eigentümern, den Herren von Waldenburg (die auch den Bergbau bei Wolkenstein stark voranbrachten) und dem Landesherrn, spricht man nicht nur von Silber-, sondern gar von Goldgängen. Auch Geyersdorf als alter Bergort ist etwa 100 Jahre älter als Annaberg. 1316 betrieb man in der Nähe Schneebergs Bergbau. Schneeberger Bergleute legten um 1534 Platten und Gottesgab an. Damals nannte man den Erzgebirgsteil zwischen Wolkenstein über den „Pielberg“ (Pöhlberg) bis hinauf nach Oberwiesenthal und Joachimsthal „die wilde Ecke“. Im Oktober 1492 wurde Silber am Schreckenberg bei Frohnau gefunden. Ein einziger neuer Gang erbrachte in den ersten drei Jahren des Abbaues einen Reinertrag von über 124.000 rheinische Gulden. Dieser Fund war die eigentliche Ursache zur Gründung Annabergs. Am 21. September 1496 wurde der Grundstein zu dieser Stadt gelegt. Ein Jahr später, am Michaelistage, hob man das erste Haus. Beim Bau der Hauptkirche, der heute noch stehenden Annenkirche, zahlte der Landesherr als Stifter an Maurer und Zimmerleute täglich drei Groschen und an die Handlanger einen Groschen und neun Pfennige Lohn. 1519 war die Fabian-Sebastian-Fundgrube in Marienberg besonders fündig. Herzog Heinrich ließ diese Stadt erbauen. Nach drei Jahrzehnten hatte sie schon 500 Häuser. In der Zeit von 1524 ‒ 1552 ist das Jahr 1540 das erzergiebigste hier gewesen.
Der Geschichtsschreiber sagt uns auch einiges über das Faustrecht, das um 1500 zum Teil furchtbare Auswirkungen auch im Erzgebirge zeitigte. Er schildert die Lage des Landvolkes als unsagbar traurig und elend. „Die Leut haben nimmer Ruh. Früh und spat hangen sie der Arbeit an.“ Mangel und Unsauberkeit in ihren schmutzigen Hütten brachte die Pest hier und da zum Ausbruch und raschen Ausdehnen. Herzog Heinrich, der 1521 vor ihr aus Freiberg nach Wolkenstein floh, ließ in dessen Nähe, dort, wo jetzt mit einigen anderen Häusern das Gasthaus „Heinzebank“ steht, ein kleines Jagdhaus errichten, in dem er bei der Jagd oft frühstückte. Schon damals war die Aussicht von diesem Geländepunkte aus bekannt und gesucht. Herzog Heinrich wurde auch Heinze genannt. Deshalb: Heinzebank … für die Ruhebänke des Fürsten an landschaftlich schöner Stelle des Erzgebirges.
J. B.