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Alte Kurregeln aus Warmbad Wolkenstein

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 7 vom 16. Februar 1941. S. 4.

Kopie
Stadt Wolkenstein um 1813 nach einem alten Kupferstich des Ratsarchives Annaberg.
Die Wiedergabe ist mit künstlerischer Freiheit gestaltet. Die Stadt ist so in die Landschaft gestellt, um im Hintergrund Pöhlberg und Bärenstein sichtbar zu machen. Der Standpunkt des Künstlers waren etwa die Dost‘schen Felder. (I.E.S.-Archiv)

Am Hüttengrund, fast völlig versteckt, liegt auf Flur Gehringswalde, aber der Stadt Wolkenstein gehörig, Warmbad. Dem Bergbau ist die Auffindung seiner warmen Quellen zu danken. Max Grohmann mein in seinem aufschlußreichen Buch über das Obererzgebirge, daß in seiner chemischen Zusammensetzung und in seinen Heilwirkungen das Wasser vom Warmbad dem der Heilquellen von Gastein, Wildbad in Württemberg, Schlangenbad und Teplitz sehr nahe komme. Im Dreißigjährigen Krieg verkam das Bad völlig. Dr. Hauptmann und Amtmann Schrey erwarben es 1656 und interessierten den Kurfürsten Johann Georg II. dafür. Dieser ließ das nachmalige Fürstenbad bauen. Am 7. August 1671 wurde es vom Kurfürsten zum ersten Male benutzt. Die Kurfürstin besuchte Warmbad zehn Jahre nacheinander mit bestem Erfolg. Am 21. Juli 1720 folgte einem leichten Erdbeben ein zweistündiges Gewitter, das das Bad arg verwüstete.

Der kurfürstlich-sächsische Leib-Medicus Dr. Joh. Göbel gab den Gebrechlichkeiten, gegen welche das Bad wirken sollte, in Tabellenform Ausdruck. Dieses Verzeichnis hing im Badehaus aus. „Hilfft für Haupt-Schuppen, Läuß, Nieße, abfallend Zäpflle, Zahnweh und wackelnde Zähne, Flecken und andere Unsauberkeit im Angesicht, Keichen und kurtzen Athem, undeueten Magen und dessen Unwillen, Unlust zum Essen, bösen kalten Magen, Grimmen und Colic, die, so sich verbrannt haben, Krampff-Adern, Gliedsucht, Podagra oder Zipperle, contracte lahme Glieder, Rauden, Grätz, Geschwär, rothe Ruhr und Diarrhoede, dunkle Augen, Sausen der Ohren usw.“ Das ist ganz erklecklich! Von den in der Chronik vermerkten vielen Heilerfolgen soll nur einer wortwörtlich vermerkt werden: „Eine Gräfin von Schönburg bedienete sich drei Jahre nach einander des Bades. Beym ersten Besuch desselben war sie noch so elende, daß sie nicht nur kein Glied brauchen konnte, sondern auch im Haupte so große Schmertzen, Brausen und Wüthen empfunden, daß sie vielmals gemeynet, sie säße an einem großen Wasserfall oder man schüttete über ihr viel Fuder Steine aus. Nach ordentlichem Gebrauch des Bades, den Dr. Clauder aus Altenburg dirigierte, sah man, wie sie selbst in Tüchern ins Bad getragen werden mußte, die Haut über den gantzen Leib ab und die Haare auf dem gantzen Haupte vollkommen ausgehen. Damit kam auch eine vollständige Gesundheit, und das Haupt erlangte die ruhigste Stille wieder.“

Allerdings scheinen manche Badegäste schon damals die Kur nicht immer ordnungsmäßig gebraucht zu haben. Sie gaben dem Bad die Schuld, wenn die erwarteten Heilerfolge nicht eintraten. „Darum können insonderheit starke Weinräusche bey dem Bade nicht huth thun. Der Wolkensteiner Brunnen mag sehr gut seyn, wenn der Rhein und die Mosel nicht allzu stark hineinfließen. Und Francken liegt dem Ertz-Gebürge zwar nahe, aber mit Wolkenstein will es sich nicht wohl vertragen.“ Auch darauf hat man im Mittelalter die Badegäste hingewiesen: Man darf nicht mehr trinken, als der Körper gebraucht!

J. B.