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Heimatliche Wegweiser im Greifensteingebiet

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 134. Jahrgang Nr. 10 vom 9. März 1941. S. 4.

In einer kleinen sächsischen Stadt konnte man vor einigen Jahren eine interessante Beobachtung machen. Da hing an einem Zaun, an dem man auf dem Wege nach dem Bahnhof vorbeigehen mußte, ein großes blaues Blechschild mit großen weißen Lettern „Bahnhof“ und einem Pfeil darunter. Kalt sah das aus. Man sah nicht gern hin und hatte den Eindruck: Na ja, es ist notwendig für die Fremden, aber schön ist anders. Eines Morgens, als der Kampf gegen die „Blechpest“ entbrannt war, war dieses andere dann auf einmal da. Und jetzt steht auf einem ordentlichen Pfahl in eine Tafel geschnitzt „Nach dem Bahnhof“, und obendrauf ist eine Gruppe dargestellt, die in ihrer Lustigkeit jeden anspricht. Neben ihren Koffern nehmen „er“ und „sie“ mit einem herzhaften Schmatz Abschied, während eine „vollschlanke“ Marktfrau, die Hände in die Hüften gestützt, sich aus Futterneid oder Abscheu — man weiß es nicht — empört abwendet. Seit diesem Tage sieht sich jeder gern diesen Wegweiser an, und alle Vorübergehenden schmunzeln über diese lustige Darstellung, Backfische sollen sogar darüber kichern.

Mit den Wegweisern ist es wie mit den Schmuckgegenständen, die man in die Wohnungen stellt. Es gibt tausendfach vervielfältigten Abklatsch und individuelle Kunstwerke. Der Geschmack hat sich in den letzten Jahren sehr gehoben. Wir haben wieder das Echte und Schöne achten gelernt, und es ist nur natürlich, wenn wir in unser aller Wohnung, die Heimat, etwas Bodenständiges und Schönes hineinstellen.

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Wegweiser nach den Greifensteinen in Ehrenfriedersdorf
(Aufnahme: Joh. Reuther, Ehrenfriedersdorf)

Unsere heimischen Schnitzer haben uns mehrere solcher individueller Kunstwerke geschenkt. Da ist in Ehrenfriedersdorf zunächst der Wegweiser nach den Greifensteinen hinter dem Seidelgut, den der Leiter der Ehrenfriedersdorfer Schnitzschule, Oberlehrer Johannes Reuther geschaffen hat. Ein ebenfalls sehr schönes Schnitzwerk ist der Wegweiser nach dem Oswald-Barthel-Turm am unteren Ende der Saubergstraße. Er entstand im Krippenverein Ehrenfriedersdorf. Die Ehrenfriedersdorfer Arbeitsmaiden schließlich haben für ihr Lager einen nicht gerade künstlerischen, aber ebenfalls ganz reizenden Wegweiser auf dem Platz des 30. Januar gesetzt.

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Wegweiser nach dem Oswald-Barthel-Turm
(Aufnahme: A. Schmidt, Ehrenfriedersdorf)

In Geyer weist der an der Ehrenfriedersdorfer Straße in der Nähe der Kirche aufgestellte, vom Schnitzer Emil Lang geschaffene schöne Wegweiser zum Lotterhof und zur Binge. Der früher am Rathaus stehende Wegweiser zur Sparkasse mußte entfernt werden, da die Witterungseinflüsse schon zu stark an ihm gearbeitet hatten. Die Witterung ist überhaupt von großem Einfluß auf diese Schnitzereien, und es bedarf einer besonderen Pflege und Wartung, wenn sie lange erhalten bleiben sollen.

Das Heimatwerk Sachsen unterstützt die Aufstellung solcher Wegweiser, wenn sie nur von gutem Geschmack sind und wirklich als Kunstwerk angesprochen werden können. Jedenfalls lassen wir uns lieber den Weg von einer schönen heimatlichen Schnitzerei als einem häßlichen Blechschild weisen.