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Ein Ferienaufenthalt in der Bezirksjugendherberge Unterrittersgrün.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 46 – Sonntag, den 10. November 1929, S. 2

23 Jungen und Mädels der Volksschule Mölkau-Leipzig hatten das Glück drei herrliche Ferienwochen in der Unterrittersgrüner Bezirksjugendherberge verleben zu dürfen. Wurde uns auch der erste Anstieg zu dem Märchenschlößchen mit unserem Reisegepäck recht sauer, wir wurden gar bald „Bergsteiger“.

Bald erforschten wir das uns Umgebende. Menschen und Landschaft lernten wir verstehen, dauernd stand unser Barometer auf Freude.

Was war die Ursache? – Nun, erstens die famosen Herbergsleute. „Mutter wendler“ war mit gutem Erfolg bemüht, unsere Magenmuskeln nicht ausruhen zu lassen von der anstrengenden Arbeit, ihre vorzügliche „Küche“ zu genießen.

Die herrlichen Wälder, die sich bis an die Herberge heranschleichen, haben die Lungen gereinigt von Autostaub und Asphaltdunst. Wie haben wir staunen gelernt über die hohen Berge, die grünen, grünen Fichten, das frische Bergwasser: wie haben wir geraubt von Heidelbeersträuchern und Pilzreichtum: wie haben wir auch gefaulenzt, mit wonnigem Behagen uns auf der Wiese mit Spiel und Tanz vergnügt. Eine Wasserschlacht am Springbrunnen diente zur zeitweisen Abkühlung. – Unvergeßlich die schönen Abendstunden, der Mond bequemt sich allmählich sein gutmütig-heiteres Gesicht über den nun tiefdunklen Wäldern zu zeigen, blinzelnd, als wolle er sagen: „Fein, was?“

Schwermütig-melancholische Weisen stehlen sich über die Lippen, bis man andächtig schweigt. – Könnten wir doch recht oft noch an solchem Erleben gesunden!

Herbert Uebelhack.