275 Jahre Berg-Knapp- und Brüderschaft zu Jöhstadt.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 35 – Sonntag, den 24. August 1930, S. 4.

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Jöhstadt.

Jöhstadt stand am vergangenen Sonnabend und Sonntag im Zeichen der Bergknappen. Seit fast 300 Jahrhunderten hat man dort alte Bergmannssitten und -gebräuche in schöner Weise hochgehalten, hat man durch die Brüderschaft 275 Jahre lang betreut, was einst Heimatrecht hier oben im Gebirge hatte. Die „O. Z.“ hat eingehend darüber berichtet, wie die Veranstaltungen am Freitag schon mit Fackelzug und Illumination eingeleitet wurden, wie dann am Sonnabend ein Festkommers im Rathaushotel stattfand, bei dem der bekannte Bergsachverständige Voigt aus Buchholz über den Bergbau in Jöhstadt in interessanten Ausführungen sprach. Zum 3. Gangfeld des Annaberger Erzreviers rechnete man Jöhstadt. Weithin bekannt sind viele Namen der ehemaligen Fundgruben: wie Bartholomäus, Johannes, Hilfe Gottes usw. usw. Allzu groß freilich ist der Bergsegen in Jöhstadt nie gewesen, da zu wenig Gruben vorhanden waren, um durch großzügige Wasserlösungen in größere Tiefen gehen zu können. Als der Jöhstädter Bergbau einging, wanderten die Bergleute ab, zum größten Teil nach böhmische Gruben. Wie überall, so hatte auch für Jöhstadt die Annaberger Bergordnung vom Jahre 1509, die bis 1852 in Kraft war, Gültigkeit. Als die wichtigsten Kobaltsilbererzgänge sind die in nordsüdlicher Richtung streichenden sogenannten Flachen- oder Mitternachtsgänge bekannt, die Mehrzahl davon war abbauwürdig. Die größte Tiefe betrug in Jöhstadt 160 Mtr. Die Erzadern wiesen eine Stärke von 10 bis 20 Zentimeter auf und fielen auch bis zu 2 Zentimeter Stärke. Außerdem kamen sogenannte Erznester vor. Hier betrug die Stärke der Ader 1, 2 – 5 Meter. Die guten Erze wurden nach Freiberg, die geringeren nach Marienberg gebracht. – Auf obenstehenden Bild sieht man die Zwickauer Bergschule, sowie Herrn Hofrat Seyfert-Dresden und vor allem auch Herrn Bürgermeister Sacher-Jöhstadt in der Mitte auf der linken Bildseite.

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Berg-Knapp- und Brüderschaft Jöhstadt.