Zur Eröffnung der Weihnachts-Ausstellung zugunsten der Buchholzer Nothilfe

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 51. — Sonntag, den 14. Dezember 1930, S. 1.

Zur Eröffnung der Weihnachts-Ausstellung zugunsten der Buchholzer Nothilfe am Sonntag, den 3. Advent sei auch an dieser Stelle einmal aufmerksam gemacht, welch kostbare Schätze an Weihnachtskrippen, Bergwerken und sonstigen Schnitzereien in den Mauern unserer Stadt Buchholz geborgen sind. Weder in Wort und Bild soll freilich hier verraten werden, was in der Ausstellung, die sich im Buchholzer Diakonat befindet, alles zu sehen ist. Das Eröffnungsinserat der Ausstellungsleitung im Anzeigenteil unserer Zeitung unterrichtet darüber eingehend. Unser Bild unten zeigt einen Buchholzer, den Schnitzer Herrn Karl Jungk auf der Pfarrgasse, der verschiedene wertvolle Schnitzarbeiten hergestellt hat. Wir sehen ich hier bei der Gestaltung eines Bergmannes und können uns dabei vielleicht eine Vorstellung machen von der mühevollen Arbeit, die dazu gehört, Bergleute und Krippenfiguren anzufertigen. Manche Feierabendstunde wird der schönen Schnitzkunst gewidmet, ehe wieder ein Werk fertiggestellt ist. In der nächsten Ausgabe unserer Heimatblätter werden wir die Weihnachtskrippe des Herrn Karl Jungk zur Abbildung bringen. Die Krippe ist beweglich und wird alljährlich in der Behausung des Herrn Jungk aufgestellt. Vom Schlage dieses Meisters haben wir viele Schnitzkünstler in den Mauern unserer Stadt. Der Buchholzer Schnitzverein hat es in dankenswerter Weise übernommen, die Freunde der Schnitzkunst um sich zu scharen. In der Buchholzer Weihnachtsausstellung werden einige Schnitzwerke von Vereinsmitglieder ausgestellt sein. Vor allem ist aber auch ein Werk unseres Erzgebirgs-Altmeisters Karl Hertelt in Oberwiesenthal aufgebaut, der ja nun längst am Fuße des Fichtelberges auf dem stillen Oberwiesenthaler Bergfriedhof schlummert. In seinem Werk, welches wir in der Ausstellung bewundern können, wird der Geist Karl Hertelts noch einmal lebendig. Wir sehen all die wunderbaren Figuren aus der biblischen Geschichte, die mit so viel Kunstsinn, mit so viel Feingefühl hergestellt sind, daß man andächtig vor dem Wunderwerk des heimgegangenen frommen Meisters steht. Sein Werk ruft zum Besuch der Ausstellung auf, sein Werk ruft auf zur Nothilfe in unserer Bergstadt Buchholz. Nun laßt uns seinem Ruf gern folgen und anbetend zu seiner Weihnachtskrippe treten. Arm und reich mögen sich hier zusammenfinden zu einem frommen Werk der gegenseitigen Nächstenliebe. Wenn am morgigen Advent zum ersten Male wieder auf hoher Kirchmauer der Christbaum für Alle brennen wird, wenn frohe Weihnachtslieder durch die stille Adventsnacht klingen, dann laßt uns auch nicht vergessen, unser Scherflein zu bringen zur Weihnachtskrippe, die da zugunsten der Buchholzer Nothilfe im Diakonat, gegenüber der alten Schule, aufgebaut und ausgestellt ist. Der Besuch lohnt für alt und jung. Die Ausstellung ist so vielseitig und zeigt Schnitzwerke, die zum großen Teil überhaupt zum ersten Male vor der Oeffentlichkeit ausgestellt wurden. Möge viel Freude und Segen aus- und eingehen von den Gebenden und Besuchern, Freude aber auch für die, die unverschuldet durch die große Arbeitslosigkeit in so drückende Not gerieten und unsere Hilfe und Nächstenliebe bedürfen. „Was Ihr dem Nächsten tut, das habt Ihr mir getan,“ spricht Jesu, dessen Weihnachtsbotschaft nun wieder über unser Erzgebirge und über unsere schöne Bergstadt Buchholz gehen wird. – Frieden mag’s nun wieder auf Erden werden, Zank und Streit begraben sein, wie’s unser Anton Günther in seinem Weihnachtslied so schön offenbart: „Ihr Leitla, freit eich alla, guckt naus, wie’s draußn Graibela (Gräupchen) schneit! De Weihnachtszeit is komma. Vergaßt alln Zank on Streit! O selicha Zeit, o Weihnachtszeit! Du brängst ons wieder Friedn, machst onner Harz vull Lust on Freid, o selicha Weihnachtszeit!

Kopie
Herr Karl Jungk, Buchholz, Pfarrgasse, bei der Schnitzarbeit.