Wundersame Weihnacht im Erzgebirge.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 52. — Weihnachten 1930, S. 2.

Eine Buchholzer Weihnachtskrippe mit mechanischen Figuren.

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Weihnachtskrippe von Karl Jungk, Buchholz.

Die Weihnachtskrippe ist vor 35 Jahren von dem Buchholzer Krippenschnitzer Herrn Karl Jungk hergestellt worden und im Laufe der Zeit so vervollkommnet worden, wie sie heute unser Bild zeigt. Alljährlich wandern um die Weihnachtszeit viele Krippenfreunde nach dem Wohnhause des Meister Jungk auf der Pfarrgasse, um sich dort das Wunderwerk anzuschauen. Ein weihnachtliches, farbenfrohes Bild bietet sich dem Auge. Jede Figur ist mit großer Liebe ausgearbeitet, die einzelnen Figuren sind mechanisch. Ein Blick hinter die Landschaft zeigt ein Gewirr von Fäden, Hebeln und Wellen, die vom Werk getrieben in der Christgeburt selbst ein Leben und Treiben schaffen, wie es zur Zeit der Geburt Jesu wohl in Bethlehem gewesen sein mag. Vom Himmel fliegen hinter den Wolken die Engel zur Erde. Die Hirten und Herden erwachen vom Lichterglanz der heiligen Nacht. Ein Schäfer bläst auf dem Horn und mit Staunen bewundert man die Verkündigung der Hirten auf dem Felde. Vor dem Stall ziehen die drei Könige aus dem Morgenlande auf, ein Hirt verläßt mit der Herde den Stall und so sind es noch viele Einzelheiten, die das Auge erfreuen. Die Krippe ist während der Weihnachtsfeiertage zu besichtigen. Gehe jeder selbst, diese wundervolle Weihnachtskrippe einmal anzusehen. Das große Geschehen von Bethlehem wird vor unseren Augen lebendig und wir empfinden etwas von der Weihe der heiligen Nacht, deren Geheimnis hier ein Schnitzkunst-Meister abzulauschen versuchte.

Eine Crottendorfer Weihnachtsstube

zeigt unser nebenstehendes Bild. Wie überall in unserem Gebirge ist u. a. in Crottendorf Herr Guido Wendrock (Neudorfer Straße 282) um die Weihnachtszeit fleißig beschäftigt, um wertvolle Pyramiden, Leuchter usw. anzufertigen. Inmitten seiner Schnitzwerke sehen wir Herrn Wendrock. Die vierstöckige Pyramide mit den handgeschnitzten Figuren wird besonderen Beifall finden. In echt erzgebirgischem Charakter gehalten, legt sie zugleich Zeugnis ab von der Kunstfertigkeit ihres Meisters, der mit geschickter Hand versteht, das Messer zu führen. Bergleute, Hirsche etc. gehören selbstverständlich auch zu den Spezialitäten des Crottendorfer Schnitzers. –

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Crottendorfer Weihnachtsstube

Die Leiste am Abschluß dieser Seite zeigt einen Blick in eine erzgebirgische Weihnachtsschau. Welch eine Lichterfülle bietet sich dem Auge, wenn wir bedenken, daß jeder dieser Weihnachtsengel, die überaus kunstvoll geschnitzt sind, 10 – 12 Lichter trägt. Aber so liebt es der Erzgebirgler. Weihnachten ist ja das Fest des Lichtes und so muß zum Fest ein Strahlen, ein Lichterglanz auch im engsten und ärmsten Stübchen sein. Das ist ein schönes Zeichen für die Bevölkerung unserer erzgebirgischen Heimat, daß sie mit solcher Liebe an dem Weihnachtsfest hängt. Vielleicht, daß ihr daraus reicher Segen ersprießt für das ganze Leben, das für so viele durch die harte Not der Arbeitslosigkeit eine schwere Bürde bedeutet. Im trauten Stübchen daheim, beim Schnitzen und Basteln der Weihnachtskrippe, beim Fertigen von Bergleuten und Weihnachtsengeln, da kommt unserem biederen Erzgebirgler über alle Armut und Not doch der Glaube an eine bessere Zukunft, der Glaube an den Welterlöser, der uns mit jedem Weihnachtsfest neugeboren wird, zum Zeichen, daß der da oben unser nicht vergißt, daß er uns mit seiner Liebe nahe ist, erst recht in Zeiten der Not. Darum „erzgebirgische Weihnachten“ ein Fest voll Freude und Lichterglanz für unsere Bergheimat, ein Fest des Glanzes für die ganze Welt!

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Aus einer erzgebirgischen Weihnachts-Ausstellung.