Weihnachten im Erzgebirge.

Von Kurt Arnold Findeisen.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 50. — Sonntag, den 7. Dezember 1930, S. 1 – 2.

Einmal im Jahre werden wir Deutschen wieder zu Kindern, nämlich um Weihnachten. Und das ist unser Glück; denn sonst würden uns all die häßlichen Eigenschaften, die für ausgewachsene Exemplare der Gattung Mensch leider so charakteristisch sind, Mißtrauen, Geldgier, Ruhmsucht, Neid und was weiß ich alles, womöglich ganz unterkriegen. Und eine besondere Schicksalsgunst ist es, daß uns dieses allweihnachtliche Kinderglück tief aus der Scholle unserer Ahnen entgegenblüht. Unter allen heimatlichen Landschaften erscheint wieder das Erzgebirge besonders berufen, den Segen der Ueberlieferung am reichsten über uns auszuschütten. Wer fühlt sich nicht im Innersten befriedet, wenn er sie wieder erblickt, die tapferen Nußknacker seiner Jugend; als sie zu seinen intimsten Freunden gehörten, hatte die Welt noch einen süßen Kern! Wer atmet nicht mit Wollust den Duft ein, der den biederen Räuchermännern aus dem schwarzen Mäulchen wölkt; damals, als man ihnen mit kleinen täppischen Händen Räucherkerzchen säuberlich in den Bauch stellte, roch die Welt noch gut! Wer schmunzelt nicht tief innerlich vor Wonne, wenn er sie wieder vor sich sieht, die Pflaumentoffel seiner vergangenen Morgenwochen, womöglich dereinst von der guten Mutter selber kunstvoll zusammengebastelt; damals, da man diese Art Christgeschenke nach wenigen Tagen verständig aufaß, damals wußte man noch nicht, was das bedeutet: sich an der Welt und ihren Schätzen den Magen verderben. Ja, damals! Dieses wundervolle Damals aber – man sollte es kaum glauben – wird wieder lebendig um die Weihnachtszeit. Nicht nur, daß alle diese allerliebsten Trabanten des heiligen Christ neben hölzernen Bergleuten und Lichterengeln, neben Krippen, Hängeleuchtern und Pyramiden vollzählig aufmarschieren, nein, es begibt sich durch sie ein neues, fast noch schöneres Wunder: der gute Geist, der in ihnen wohnt, springt über auf Werk und Handgriff unsrer Maschinenzeit und läßt Weihnachts- und Bethlehemdinge entstehen, die ebenso köstlich sind wie die alten und an deren reiner, wahrhaftiger Gesinnung sich die Herzen unserer Tage erwärmen und aufrichten können: Da sind die berühmten Heinzelmännchen der deutschen Volkssage, die allen, so unentwegt an sie glauben, auch heute noch mancherlei zuliebe tun: Kaffeemahlen, Stubekehren, Stiefelwichsen. Da sind ganze Korporalschaften kleiner gedrechselter und fröhlich bemalter Ruprechte, die Tannenbäumchen oder Lebenslichter geschleppt bringen. Da sind ganze Legionen von winzig zierlichen Weihnachtsengelchen, die sich auf irgendeine verständige Weise um Christkinds Geburt Verdienste erwerben. Die begabtesten von ihnen machen Musik, unaussprechliche Blas- und Streich- und Schlagmusik um die Fußbank Gottes. Die allerlustigsten aber tanzen einen Ringelreihen um die holde Versunkenheit der Himmelsmutter.

Vorstehende prächtige Sachen sind in dem bekannten „Sächsischen Heimatschutz“ zu haben, der, wie alljährlich so auch diesmal einen billigen „Striezelmarkt“ in seinen Verkaufsräumen „An der Schießergasse 24“ zu Dresden und in seiner schönen Weihnachtsmesse im ersten Stock des Hauses Nr. 4 am Altmarkt aufgebaut hat. Die Sachen sind sehr preiswert.