Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 12 vom 19. März 1939. S. 5 – 7.
Die Teubner gehören zu den alten erzgebirgischen Hammerherrengeschlechtern, die mit den Siegel, Klinger, Kleinhempel, Röhling und anderen Hammerherrengeschlechtern versippt sind. Bis 1500 ist der Name Teubner urkundlich nachweisbar in unseren Bergen. Immer wieder stoßen wir auf ihn in alten Chroniken und Akten. Auch in Annaberg waren die Teubners schon ganz frühe seßhaft. Richter meldet in der „Chronika der freyen Bergstadt S. Annaberg“ den 1507 erfolgten Tod des Ratsherrn Hanhs Schartz, alii Johann Teubner. Spieß nennt im „Gottesacker“ eine Maria Teubner nach 1580 als Besitzerin eines Schwibbogens; dies ist die Annaberger Ahnin des Leipziger Verlagsteubners. Die Kartographie des Bezirks Annaberg im 16. und 17. Jahrhundert nennt „Simon Deubners Vorwerk auf Bärensteiner Flur“, „lorentz deubners hammer in der Scheubenberger Heyde“ und „Deubners Teich bei Crottendorf“. Auch die ältesten Schülerverzeichnisse der Annaberger Lateinschule weisen mehrfach den Namen Teubner auf.
Vom Erzgebirge aus führt vor 1500 rückwärts eine, allerdings sehr verwehte, Spur ins Frankenland, wo wir heute noch Teubners finden, und wo sie einst in großen Sippenverbänden seßhaft waren. Im Fränkischen ist auch der Name Teubner am frühesten belegt, und zwar als Berufsbezeichnung. In seiner Comedi „Die Stulticia mit ihrem Hofgesind“ läßt Hans Sachs einen Handwerksmann also sprechen:
„Vil Zeyt thu ich unnütz zubringen / Mit schießen, fechten und mit singen. / Ein teubner, vogler ich auch bin, Mit großem kost und kleinem gwin.“
Von Franken wanderte vor 1740 W. K. Deubner nach Riga aus, wo sein Sohn 1806 (5 Jahre vor der Gründung des Leipziger Verlagsunternehmens durch einen Nachfahren unserer Annaberger Teubner) Gründer der für den deutsch-russischen Buchhandel später so einflußreichen Teubnerschen Verlagsbuchhandlung in Riga ward, die mit ihren Flilialen in Petersburg, Moskau und Odessa zu den ersten Buchhandlungen Livlands und Rußlands zählte.
Während die Teubnersche Gesamtsippenchronik mit ihren amerikanischen, australischen, russischen, baltischen Linien einen Riesenbogen schlägt um die Weltgeschichte, so die der deutschen Teubner einen kleineren um die deutsche, und das Kapitel der Familiengeschichte des Verlagsbuchhändlers B. G. Teubner einen allerkleinsten um Annaberger, bzw. erzgebirgische Geschichte.

Benedictus Gotthelf Teubner selbst ist am 16.6.1784 in Groß-Kraußnigk in der Niederlausitz geboren. Leider konnte er nicht „Superintendent lernen“, wie er als Achtjähriger immer sagte, denn sein Vater, Pfarrer zu Groß-Kraußnigk, konnte nicht alle 9 Söhne studieren lassen. So kam Benedictus, das 11. von 12 Kindern, in die buchhändlerische Lehre, obwohl der Pfarrerberuf seit langem Familientradition war. Der Großvater unseres Benedictus war Pastor in Wiederitzsch bei Leipzig; der Urgroßvater Johann Thomas hatte eine Pastorstelle zu Hayna bei Merseburg inne. Mit dem eben genannten Johann Thomas Teubner betreten wir bereits den Bannkreis des Erzgebirges, denn seine Wiege stand im Pfarrhaus zu Königswalde, wo er am 30. April 1675 das Licht der Welt erblickte. In der Schülerliste der Annaberger Lateinschule finden wir ihn 1685 unter den Externen aufgezählt. Kulturgeschichtlich interessant ist, daß Johann Thomas Teubner bereits als dreizehnjähriger Lateinschüler in die Matrikel der Leipziger Universität eingetragen ward, um später vor den rohen Aufnahmebräuchen geschützt zu sein. Seine Eltern waren der Königswalder Pfarrer Christoph Teubner und dessen Gattin Anna Katharina Hunnenberger aus Königswalde, deren Mutter wiederum aus alten Annaberger und Buchholzer Familien stammte, von denen wir zwei, die Badehorn und die Bach, im Deutschen Geschlechterbuch zurückverfolgen können bis zu dem 1485 zum Ritter geschlagenen Albrecht Bach. Thomas‘ Vater, Christoph Teubner, war das 3. Kind des Annaberger Hufschmiedes Christian Teubner und dessen Ehefrau Maria Weinhold, verwitwete Georg Spindler. Den Namen aller dieser begegnen wir mehrfach in den Annaberger Ratsakten, denn Maria brachte ihrem Manne ein Wohnhaus nebst daneben gelegenen Gärtchen in die Ehe, das 1679 in den Besitz ihres Sohnes Christoph Teubner überging. Christoph studierte, nachdem er die berühmte Annaberger Lateinschule besucht hatte, an der Universität zu Greifswald, wo er 1647 in die Matrikeln also eingeschrieben steht: „Christophorus Teubnerus, Annaberga-Misnicus, Christiani Teubneri et Mariae Weinholds filius theologiae studiosus et mobilium praceptor.“ Er ist in adligen Häusern Erzieher gewesen, vielleicht auch Reisebegleiter, wie es damals üblich war. Jedenfalls war die Königswalder Pfarrstelle, die er 1669 44jährig als Substitut antrat, seine erste, denn das Amtsschreiben des Bürgermeisters und Rates der Stadt St. Annabergk, in dem ihm diese Stelle unterbreitet wird, ist gerichtet an den „achtbaren und wolgelahrten Herrn Chr. T. S. S. theol. Studioso, unsem besonders guten Freunde.“ Vorgeschlagen war er für die Königswalder Pfarrstelle vom derzeitigen auf dem Siechenbett liegenden Königswalder Pfarrer Johann Thomas Hunnenberger, und weil er im Rufe stand, eine „gottesfürchtige, gelahrte und friedliebende Person“ zu sein, ward er, nach seiner vor dem Annaberger „abgeordneten Rathscollegen“ und der Königswaldischen Gemeinde abgehaltenen und gut aufgenommenen Probepredigt zum „Substitutenambt nebst künftiger Succession“ gewählt. Bald darnach, am 21. August 1669, abends nach 7 Uhr, starb der aus Liebötitz in Böhmen gebürtige Pfarrer Hunnenberger, dessen Begräbnis interessant ist: auf den 25. August 10 Uhr wurden 8 confratres zum Sargtragen und 2 confratres zur Sargbegleitung ins Pfarrhaus beordert, dem Pfarrer von Mildenau ward die Leichenpredigt übertragen und dem Pfarrer von Jöhstadt die Abdankung. Das Andenken des Pfarrers Hunnenberger hielt sein lebensgroßes Porträt in der Kirche fest. Leider ist dieses Bild, das Hunnenberger im Ornat zeigt, und über dem der Spruch stand „Recht und Schlecht, das behüte mich!“ bei der Vorrichtung der Kirche übermalt worden.
Christoph heiratete 1670, der Sitte der Zeit entsprechend, die Tochter seines Amtsvorgängers. Ueber 14 Jahre lang waltete er fleißig und treu seines Amtes, und seine schön geschriebenen klaren Berichte heben sich vorteilhaft von den meist so schwer leserlichen Schriftstücken jener Zeit ab. Ein trauriges Schicksalsschlag spricht uns an aus seinem 1683 an den Superintendenten gerichteten Gesuch. Darnach waren ihm Gerüchte zu Ohren gekommen, wonach man ihm einen Substituten aufdrängen wollte, weil er „etliche Mal Zufall gehabt wegen der Sprache in Ablesung des gemeinen Gebets“. Er bittet nun den Herrn Superintendenten dringlich noch zu warten, er wolle sich einer Kur unterziehen, denn außer diesen Sprachbeschwerden infolge scorbutischer Krankheit fühle er sich „ganz gesund, geistig frisch, bei gutem Gedächtnis, und im Amte wolle er es an nichts mangeln lassen“. Ein halbes Jahr darnach muß er allerdings sein Amt schon aufgeben und wenige Monate nach der Emeritierung stirbt er, am 6. März 1684. Mit seinem Sohn Johann Thomas, dem späteren Pfarrer zu Hayna, entschwindet diese Teubnerlinie dem Erzgebirge, denn der Bruder des Johann Thomas war schon jung gestorben; den Spuren der 1701 nach Jöhstadt an J. Christoph Bretschneider sich verheiratenden Schwester des Thomas ist noch nicht nachgegangen worden.
Aber rückwärts können wir die Teubner im Erzgebirge noch generationenweit verfolgen. Als Vater des Christoph Teubner nannten wir bereits den Schmied Christian Teubner, der wieder ein Sohn war von Thomas Teubner und Anna Ries. Am Dienstag nach dem 1. Advent 1580 frühe ward diese Ehe cum contione (Traurede) geschlossen zwischen „Thomas Teubner, des Erbaren Thomas Teubners Hammermeisters zu Mittweida nachgelassenem Sohn und der tugendsamen Jungfrau Anna, des Erbaren und wolgelahrten Herrn Abraham Riehsen, Churfürstl. Sächs bestalten Mathematici eheleibliche Tochter alhier“, nachdem am Tage zuvor des Thomas Schwester Anna dem Bruder der Anna Ries, dem Gegenschreiber Heinrich Ries, angetraut worden war. Abraham Ries wieder ist bekanntlich ein Sohn des berühmten Annaberger Bergschreibers und Rechenmeisters Adam Ries. Der mit Anna Ries verheiratete Thomas Teubner erwarb sich 1588 ein Grundstück in Annaberg. Thomas Deubner senior aber ist der Deubner, der am meisten in den alten Erzgebirgsakten auftaucht.
Somit ist der Gründer des angesehenen Leipziger Verlags Benedictus Gotthelf Teubner ein Nachfahre des Herrn vom Pöckelhammer, Thomas Teubner in der Mittweida.
Deubner.