Von Cranzahl nach Zwönitz.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 31 – Sonntag, den 27. Juli 1930, S. 4

Pfarrer Krug-Cranzahl Nachfolger des Herrn Pfarrer Löscher in Zwönitz.

Kopie
Pfarrer Krug, Cranzahl.

Der hochverdiente, weithin bekannte langjährige 1. Vorsitzende des Erzgebirgs-Hauptvereins, Herr Pfarrer Löscher in Zwönitz hat, wie gemeldet, sein geistliches Amt in Rücksicht auf sein Alter niedergelegt und ist in den Ruhestand getreten. Zu seinem Nachfolger hat man einhellig, und zwar ohne eine Probepredigt zu hören, in erhebendem Vertrauen Herrn Pfarrer Krug gewählt, der bisher in Cranzahl amtierte. Schweren Herzens sieht man den lieben Seelenhirten von dort scheiden. Ist er doch ein Geistlicher, der so recht nach dem Herzen des ganzen Volkes seines Amtes zu walten versteht. Im Hause des Fabrikherrn ist er ebenso daheim gewesen, wie im kleinsten Mansardenstübchen des Arbeiters. Sein Herz galt und gilt jedermann im Volk, und ihn liebten alle, hoch und niedrig, arm und reich. Wenn er durch die Straßen Cranzahls ging, hingen alle Blicke voll Aufrichtigkeit an ihm, raunte man es sich immer wieder zu: Das ist unser lieber Pfarrer! Zu einem Ehrentitel war dies Wort geworden im Laufe der Jahre. Und in der Tat: man muß es mit erlebt haben, mit welch väterlicher Güte, mit welcher Herzinnigkeit dieser Mann an jedem Glied seiner Gemeinde gehangen hat; wie er nicht viel Worte machte, wenn es zu helfen galt, sondern praktisch und schnell eingriff, und so tiefgehende Worte dann wieder doch zu finden wußte, wenn er den Trost des Höchsten, seinen Segen, seine Liebe zu künden hatte. Und wer jemals im Hause dieses Mannes aus- und einzugehen die Freude hatte, ihn auch dort mit den Seinen in seiner herzerfrischenden Natürlichkeit und Schlichtheit kennen lernte, der wird dem beistimmen, daß dort ein Mensch und Pfarrer wohnte, wie man sich ihn nur wünschen kann. So hat sich Pfarrer Krug ein Denkmal im Herzen der Cranzahler errichtet, das immer bleiben wird. Und darum wußte man auch in Zwönitz, was man tat, als man ihn zum neuen Geistlichen erkor. – Wie die „O. Z.“ aufrichtigen Anteil nahm am Fortgang dieses Geistlichen aus Cranzahl, so entbietet sie ihm, dem neuen Pfarrer von Zwönitz, ein „Herzliches Glückauf“ zu jenem schönen segensreichen Wirken der Männer der Kirchenkanzel, wie es einem Pfarrer Krug so angeboren und angelegen ist.