Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 45. — Sonntag, den 2. November 1930, S. 4.

Seit reichlich Jahresfrist war die Pfarre in Neudorf ohne eigenen Geistlichen, mußten Seelsorger der Umgegend einspringen, damit die Gemeinde nicht verwaist war. Jetzt nun ist ins Pfarrhaus Neudorfs der neue Seelenhirte eingezogen. Er wurde bei seinem Einzug von den Gemeindegliedern und voran von der Kirchgemeindevertretung feierlich und herzlich bewillkommnet und ward dann am Kirchweihsonntag durch Herrn Superintendent Spranger verpflichtet und eingewiesen. Kopf bei Kopf saß die Gemeinde bei diesem für die Kirchengeschichte Neudorfs so bedeutsamen Akt im Gotteshaus, um Zeuge des starken Bekenntnisses zu sein, das Herr Pfarrer Lüpfert, der neue Prediger, bei seiner antrittspredigt von der Kanzel aus ablegte. Von besonders tiefer Wirkung war die Stunde auch dadurch, daß der Vater des neuen Neudorfer Pfarrers der Amtshandlung beiwohnte und als im Ruhestand lebender Geistlicher seinen Sohn selbst mit einsegnete. Der neue Geistliche ist der Nachfolger des Pfarrers Zülch, der in schwerster Zeit, in Kriegs- und Nachkriegsjahren, in Neudorf amtierte. Der bekannte Mangel an Theologie-Studierenden, der vor Jahren eintrat, brachte es dann mit sich, daß, wie auch anderenorts, die Pfarre in Neudorf längere Zeit (14 Monate) unbesetzt bleiben mußte, bis nunmehr Herr Pfarrer Lüpfert die Vakanz erledigte.