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Musikstädtchen an der Preßnitz.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 29 vom 16. Juli 1939. S. 7.

Es trägt denselben Namen wie das im weiten Schmiedeberger Forstrevier entspringende Flüßchen, das sich in einem herrlichen, leider viel zu wenig bekannten Tale dem Sachsengau zuwendet und dort ein ganzes Stück munter mit Wald und Menschen plaudert. Die Stadtgeschichte klingt wider vom Schlag der Häuerfäustel, vom Klipp-klapp der Klöppel und vom Instrumentenklang der musikfreudigen Bevölkerung. Aus der Schwarzenberger und Freiberger Gegend sind ehedem die Siedler zugezogen. Um 1600 begann der Bergbau auf Silber und Eisen, Wismut und Malachit. 1925 wurde das letzte Bergwerk aufgelassen. 1811 fiel der rote Hahn über das Städtchen her und legte es fast völlig in Asche. Was ihm aus reicher bergbaulicher Vergangenheit blieb, ist die städtische Musikschule. Es ist eine sechsklassige Lehranstalt, deren Schülerabende und Konzerte einen erlesenen Kunstgenuß darstellen. Die Schüler aber, die seither von hier aus in alle Welt hinausgingen, sind etwas geworden. Mancher jetzt in London und Schweden, in den britischen Kolonien, USA und in Argentinien lebende Kapellmeister verdankt seine grundlegende Ausbildung der Schule im sudetendeutschen Städtchen, dessen 2600köpfige Bevölkerung freudig hinter dieser Lehranstalt steht.

Der Bürgermeister hofft, daß in seinem fortstreichen Gebiet (520 Hektar stadteigener Wald!) demnächst eine Holzwarenfabrik ihre Räume dem Schaffen freigibt. Auch dem Fremdenverkehr will man besonderes Augenmerk schenken. Die landschaftliche Lage des 1830 Hektar großen Stadtgebietes und seiner Umgebung läßt es als Sommerfrische und Wintersportplatz sehr geeignet erscheinen.

Johs. Blochberger.