Historische Bilder von Johanngeorgenstadt.

Dazu ein kurzer amtlicher Bericht über die Jubiläumsfestlichkeiten.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 11. – Sonntag, den 10. März 1929. S. 1—2.

Im Anschluß an unseren Artikel in voriger Heimatblatt-Ausgabe erhalten wir vom Stadtrat Johanngeorgenstadt noch eine kleine Anzahl Bildstöcke und den nachfolgenden kurzen amtlichen Bericht über die Jubiläumsfeierlichkeiten in den vergangenen Februartagen: „Die Stadtgründungsfeier hat nach drei wohlgelungenen Veranstaltungen ihren glücklichen Abschluß gefunden. Das Schauspiel „Die Exulanten“ von Röder wurde vom Dramatischen Klub auf der erneuerten Rathausbühne aufgeführt. Der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt. Am Sonnabend veranstaltete der Bürgerverein einen Festabend in der „Bürgerschänke“. Der Vorsitzende, Herr Kaufmann F. Tittel, gedachte der Bedeutung eines geeinten Bürgertums für das Gemeinwohl der Stadt, begrüßte Herrn Stadtrat i. R. Müller-Meißen, Ehrenmitglied des Vereins und ehemaligen Bürgermeister der Stadt, die Alten unserer Jubiläumsstadt und Herrn Bürgermeister Dr. Pobbig. Herr Schuldirektor Jahn unternahm in seiner Festrede einen Jubiläumsgang durch die Gedenkhalle unserer Stadtgeschichte. Dem Vortrage folgten stimmungsvolle Liedgaben des Halbchors vom Sängerbund. Die Liedertexte besangen den Heimatgedanken. Von eingegangenen Glückwunschschreiben seien folgende hervorgehoben: Ehrenmitglied Berth-Trünzig, Johanngeorgenstädter Landsmannschaft Leipzig, Exulantennachkommen Leopold Oeser-Dresden, Richard May-Helsingfors in Finnland und Oberpostdirektion Chemnitz Oberpostrat Meyer. Herr Bürgermeister Dr. Pobbig sprach von der Pflege des geschichtlichen Sinnes und des Volksgemeinschaftsgedanken. Herr Stadtrat Müller-Meißen weckte Erinnerungen an die 250jährige Stadtgründungsfeier 1904, hob hervor, was sich die Stadt durch die Stürme der Vergangenheit hindurchgerettet hat: die Tatkraft ihrer Bürger, den guten Ruf als Industriestadt, das Bekenntnis zum Evangelium. Er wünschte der Bevölkerung eine Entwickelung in aufsteigender Linie und die Verwirklichung der Volksgemeinschaft. Dem Vereinsarchiv stiftete der Redner eine Bildreihe vom 250jährigen Stadtjubiläum. Nach Darbietung musikalischer Vorträge von Frl. Suse Meyer-Dresden (Stadtkind), der Vereinskapelle, des Vorsitzenden und Frl. Stopp und nach gemeinschaftlichem Gesange dreier Festlieder „Zum Jubiläumstage“ (Glückauf Johanngeorgenstadt, O alte Stadtgemütlichkeit) wurde der feierliche Abend beschlossen. Die Versammlung begab sich um Mitternacht nach dem Marktplatze, wo nach einem historischen Exulantenzuge eine würdige Gedächtnisfeier stattfand. Der Weg von der Exulantenstraße bis zur Kirche war mit Fichten geschmückt. Der Marktplatz war festlich illuminiert. Der Posaunenchor begann die Feier mit dem Choral „Lobe den Herrn“. Dann sprachen Herr Bürgermeister Dr. Pobbig und Herr Pfarrer Truckenbrodt-Meißen zur Exulantenvereinigung und zur Festgemeinde, gedachten der schweren Gründungszeit anno 1654 und mahnten zur Einigkeit und Duldsamkeit. Die Exulantenvereinigung wurde von dem Stadtältesten, dem 90jährigen Exulantennachkommen Herrn Robert Häcker, geführt. Am Schluß sang die ganze feiernde Festversammlung „Ein‘ feste Burg“. Am Sonntag fand Kirchenparade statt, an der sich alle heimattreuen bürgerlichen Vereinigungen in stattlicher Zahl beteiligten. In Begleitung von 8 ehrwürdigen alten Fahnen zog die Parade zum Gründerdenkmal, wo der Vorsitzende des Bürgervereins einen Kranz niederlegte. Im Gottesdienste predigte Pfarrer Forberger über Ps. 78, 1—7: „Gedenke, Johanngeorgenstadt, du hast eine Geschichte — sie ist voll der Taten und Wunder Gottes — sie weist der Stadt göttliche Aufgaben für Gegenwart und Zukunft.“ Die Kirchenmusik bot durch Frl. Meyer-Dresden das Arioso aus Paulus und vom hiesigen Kirchenchor Satz 1 und 4 aus Ps. 95 von Mendelssohn-Bartholdy. Ein Festzug durch die fahnengeschmückte Stadt beschloß die Jubiläumsfeier.

Der Bürgerverein hatte aus Anlaß des Gründungsfestes gegen 50 bedürftige würdige Alte durch Geldspenden unterstützt. Ein Altertumssammler, Herr Karl Herberger, zeigte während des Festes wertvolle Dokumente aus der Stadtgeschichte in seinem Schaufenster an der Karlsbader Straße.