Haltet die alten Bergmannsbräuche in Ehren!

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 27. – Sonntag, den 29. Juni 1930. S. 1

Zum Bergfest in Ehrenfriedersdorf.

Es war ein prächtiger Beschluß der Bergknappschaften, als sie sich einig wurden, nunmehr in jedem Jahr im oberen Erzgebirge einen großen Tag der uniformierten Bergleute abzuhalten, und zwar abwechselnd in den verschiedenen in Frage kommenden Gemeinden. Das ideale Ziel, dadurch die Erinnerung an den einst so blühend gewesenen Bergbau unserer Gebirgsheimat wachzuhalten, wird sicher in weitesten Kreisen der Bevölkerung lebhaften Beifall und rege Unterstützung finden. Ja, so sehr auch unsere Zeit sich gewandelt hat, die Verbindung mit dem Alten aufrecht zu erhalten, ist immer schön und wertvoll. Das erste dieser Bergfeste wurde nun, wie schon berichtet, am vergangenen Sonntag in Ehrenfriedersdorf abgehalten und zeigte sofort, wie jener Frohnauer Beschluß überall mit großer Freude im Volke aufgenommen wird. Es war ein echter, rechter Bergmannstag, in dessen Zeichen die alte Bergstadt stand. Bergleute aller Chargen zogen in den bekannten Bergmannsuniformen auf, überall lebhaft begrüßt von der Einwohnerschaft, von deren Häusern auch Fahnengrüße denen entgegenwehten, die in ihren Trachten vergangener Zeiten Ehrenfriedersdorf daran erinnerten, wie es dereinst im Zeichen von Hammer und Schlegel gestanden hat. Von allen Himmelsrichtungen her kamen die Bergleute herbei und auch die Landsmannschaft der Ehrenfriedersdorfer in Chemnitz nahm die Gelegenheit wahr, zum Bergfest zur einstigen Bergstadt zu ziehen. Zunächst im Ratskeller die Tagung der Knapp- und Brüderschaften, unterdessen eine Ehrenabteilung der Ehrenfriedersdorfer Berggrab-Brüderschaft von 1571 auf dem Bahnhof die Eintreffenden begrüßte und zur Stadt brachte

Ein prächtiges buntes Bild zeigte dann die große Verbandsversammlung, der Reviertag. Ihm entbot der Verbandsvorsitzende Kunis den altgebirgischen Glückauf-Gruß und konnte ihn vielen Vertretern der Knapp- und Brüderschaften zurufen. Mit Freuden stellte der Vorsitzende fest, wie alte bergmännische Sitten wieder ringsum aufleben und zu Ehren kommen. Lebhaft wurde es begrüßt, daß man die noch abseits stehenden Knapp- und Brüderschaften ebenfalls heranziehen wolle. Die zweitälteste Brüderschaft im Bezirk ist diejenige von Buchholz, weitere Zünfte der Bergmannszeit befinden sich in Bärenstein, Grumbach u. a. Ueber die Ziele des Verbandes sprach anfeuernd der Schriftwart der Brüderschaft Ehrenfriedersdorf, Martin Winkler, der unter Beifall betonte, wie auch dieser Verband in der Hauptsache und letzten Endes dem Heimatgedanken diene. Herr Friedrich Voigt-Buchholz wird künftig über den Zweck des Verbandes allenthalben Vorträge halten.

An die Versammlung schloß sich dann nachmittags ein glänzender Bergaufzug, nachdem man das Zechengebiet am „Sauberg“ rege besichtigt hatte. Auch ein Marktkonzert trug zur Belebung des Tages bei. Bei dem Bergaufzug wurde die Marienberger Revierbergfahne feierlich aus dem Stadthaus eingeholt. Kapelle, Hüttenjungen etc. nahmen daran teil; dann das bunte Trachtenbild der Steiger, Obersteiger, des Bergdirektors, der Giftbrenner, Schmelzer, Bergschmiede, Häuer und Knappen. Eine Knapp- und Brüderschaft nach der anderen zog vorüber, der Geyersche Bergwerksverein kam mit der Fahne, ein Festwagen „Die letzte Schicht“ und dann die Chemnitzer Landsmannschaft der Ehrenfriedersdorfer.

Auf dem Festplatz sprach zündend und markig angesichts der zahlreich Versammelten Bürgermeister Dr. Dr. Löffler. Er brachte den Gruß der Stadt dar und sprach, begeistert von der Zeit der einstigen Bergleute, von den köstlichen Erinnerungen, die an diesem Bergmannstage vorüberzogen. Daran schloß sich der Gruß des Verbandsvorsitzenden Kunis, der das Bergfest in Ehrenfriedersdorf als Markstein in der Heimatgeschichte bezeichnete, während Obersteiger Lieberwirth der Versuche gedachte, den Bergbau hier wieder aufleben zu lassen.

Auf dem Festplatz entwickelte sich sodann ein ungemein lebhaftes Treiben.

Kopie
Die Titel der Bilder sind: 1. Aus dem Bergaufzug. 2. Vom Anmarsch zum Festplatz.

Von dem Fest bringen wir beistehend zwei interessante Aufnahmen, die unsere beistehenden Betrachtungen in wertvoller Weise ergänzen. Die eine derselben zeigt einen Teil des großen Bergaufzuges; hier sieht man die schmucke Bergmannskapelle in ihren historischen Uniformen, die ja den meisten Gebirglern längst vertraut ist. Auf dem anderen Bilde erblickt man einen Teil des Anmarsches zum Festplatz. Berghistorische Fahnen heben sich markant auf dem Photo ab, auf dem man ebenfalls uniformierte Bergleute sieht, sowie auch die prächtigen Hüttenjungen im Vordergrund u. a. m. Auf jenem Festplatz entwickelte sich dann das prächtige Bild des Bergfestes alter Zeit, über das wir eingehend berichteten.

Als Ort des nächsten Bergfestes ist nunmehr Thum vorgeschlagen worden.