Von Karl Bursian, Museumsleiter.
Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 23. — Sonntag, den 1. Juni 1930, S. 4

Aufnahme Auerswald-Annaberg.
Das Erzgebirgsmuseum in Annaberg ist wieder um eine Sehenswürdigkeit bereichert worden. All die sich in verschiedenen Abteilungen befindlichen, historisch wertvollen Bilder und Gegenstände aus der Heimatgeschichte Annabergs sind übersichtlich in einem besonderen Raum „Alt-Annaberg“ vereinigt, neu geordnet und ergänzt worden. In einem neuen, großen Glasschauschrank sind kunstgewerbliche Erzeugnisse der Töpfereiindustrie ausgestellt. Zu den kostbarsten Stücken der Sammlung gehört der Annaberger Tafelkrug von Christoph Niesl 1687, ein hervorragendes Wertstück. Recht gefällig nimmt sich aus der kleine Posamentierkrug. Er zeigt blaugrauen Beguß mit aufgesetzten Borten, Quasten und Schnüren in den Stadtfarben und ist mit Zinnbeschlag aus dem 18. Jahrhundert versehen. Zwei schön bemalte Bauernschüsseln und drei braun bemusterte Krüge sind etwas späteren Ursprungs, während der grüne Fayence-Teller von 1723 stammt. Die rechte Ecke des Saales ist neu dekoriert worden mit Fahnentuch in den Stadtfarben. Das Stadtwappen, die alten Innungsfahnen der Drechsler und Seidenweber, Nachtwächterhellebarden und das drohende Henkerschwert bilden mit den Gewehrpyramiden der früheren Bürgerwehr die würdige Umrahmung des wertvollsten Besitzes des Museums: des Wappenbriefes – der Stadt von Kaiser Maximilian I. zu Nürnberg am 22. März 1501 gegeben. Ein alter Stadtplan aus dem Jahr 1729 (auch im Original im Museum vorhanden) wurde von Eugen Nestler-Annaberg in mühevoller Arbeit kopiert. Der Besucher, der versteht Pläne zu lesen, kann aus diesem Bilde viel Wertvolles aus der Geschichte Annabergs ersehen. Das Annaberger Franziskanerkloster (vor und nach dem Brande) ist in zwei Oelgemälden der Nachwelt erhalten worden, auch ein künstlerisches Werk Eugen Nestlers. Neben einer reichen Waffen- und Fahnensammlung der Kommunalgarde Annabergs aus dem Jahre 1831, wertvollen Schlossereierzeugnissen (es sei nur an die wertvolle Geldtruhe und das Schloß des Wolkensteiner Tores erinnert), dem Fesselzeug aus dem Annaberger Stadtgericht, dem alten Geldschrank der Sparkasse mit vielverzweigtem Deckelschloß befinden sich historisch wertvolle Bilder aus der Geschichte Annabergs. Christian Felix Weiße, der bekannte Dichter und Kinderfreund, und andere wertvolle Bilder ehemaliger Annaberger schmücken den Saal, der im Herbst noch durch 3 Münzschränke bereichert werden soll, die zur Aufnahme dienen von Münzen Annaberger Gepräge und Medaillen und frühhistorischen Gegenständen, die bei Grabungen im Stadtgebiet gefunden wurden. Der Saal selbst wurde neu gemalt, mit Linoleum und Läufern belegt, mit Vitragen und Schälen versehen und macht nun durch seine frischen Farben einen anheimelnden Eindruck auf den Besucher.