Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 34 – Sonntag, den 17. August 1930, S. 2.
Wenn man von den geringen Ergebnissen der letzten Jagdjahre liest, so möchte man geradezu mit Neid zurückblicken auf den einstigen Wildbestand unserer sächsischen Wälder, von dessen großem Reichtum wir uns jetzt kaum noch eine Vorstellung machen können. Welche Unmengen von Wild auch unsere heimatlichen Waldungen ehemals bargen, erkennen wir z. B. aus den Mitteilungen von Zeitgenossen über das Ergebnis einer „Hirschfaistsreise“, welche der jagdlustige Kurfürst Johann Georg I. (1611/1656) im Sommer des Jahres 1627, also vor etwa 300 Jahren, durch den westlichen Teil Sachsens unternahm.
Die Jagd begann am 27. Juni 1627 mit einem Pirschen auf der Hinterhorst bei Torgau, wurde über Colditz, Chemnitz, Grünhain, Schneeberg, Werdau, Zeitz fortgesetzt und endete Anfang August in Leipzig. Der Ertrag dieses Jagdzuges bestand in 306 Hirschen (darunter ein 22-Ender), 275 Hirschkühen, 72 Wildkälbern, 1 Damwild, 99 Rehböcken, 141 Rehen, 28 Rehkälber, 4 hauenden Schweinen (Wildebern), 1 angehenden Schwein, 4 Keilern, 34 Bachen (Wildsauen), 28 Frischlingen, 59 Hasen, 52 Füchsen und 3 Dachsen.
Man sieht daraus, daß die Jagdteilnehmer ihre Aufmerksamkeit verhältnismäßig nur wenig auf das Kleinwild richteten, sondern vor allem auf die Erlegung von Hirschen und Rehen bedacht waren und hierin ein Ergebnis erzielten, von dessen Großartigkeit wir uns heute kaum einen Begriff zu machen imstande sind. Auffallend erscheint die kleine Zahl der zur Strecke gebrachten Hasen. Sie erklärt sich außer dem oben angeführten Grunde auch daraus, daß Meister „Lampe“ in den waldreichen Gebieten des früheren Sachsens infolge der Unmengen Raubwild bei weitem nicht so zahlreich vorkam, wie nach der Aufschließung des Landes auf den heutigen freien Ackerfluren. Während das Groß- und Raubwild mit der fortschreitenden Kultur des Landes mehr und mehr verdrängt wurde, hat die Familie Lampe hiervon allein Nutzen gezogen und sich seitdem bedeutend vermehrt – leider freilich immer noch nicht genügend, um jedem Haushalt Sachsens alljährlich wenigstens einmal einen feisten Hasen in die Pfanne zu liefern.