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Ein Enkel Dr. Martin Luthers wurde in Arnsfeld begraben.

Von Herbert Hunger-Arnsfeld.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 19 vom 7. Mai 1939. S. 6.

Am 30. Januar 1599 ist laut Eintrag im Sterberegister der Kirchgemeinde Arnsfeld ein Johann Friedrich Luther, ein Sohn des Universitätsprofessors und kurfürstlichen Leibarztes Dr. Paul Luther (* 28. Januar 1533 zu Wittenberg, † 8. März 1593 zu Dresden) und Enkel des großen Reformators, in Arnsfeld begraben worden. Seine Beerdigung dürfte nicht auf dem Gottesacker hier geschehen sein, vielmehr hat Johann Friedrich Luther seine letzte irdische Ruhestätte in unserem Gotteshause – vermutlich unter dem Altarplatze – gefunden. Wie nämlich David Richter in seinem 1733 erschienenen großen Werke „Genealogia Lutherorum“ berichtet, hat Johann Ernst Luther, der ältere Bruder des Johann Friedrich Luther, über den Tod seines jüngeren Bruders in seine lateinische Handbibel folgenden Vermerk geschrieben: „Anno 1599 die 16.1 Januarii hora XI. postmeridiana, edita pia confessione quam manu Domino pastori porrecta confirmavit, et interardentissimas preces pie et placide in Jesu Christo obiit frater geimanus Johannes Friedericus Luther Arnsfeldii estque in templo Arnsfeldiano sepultus“. (Im Jahre 1599 am 26. Januar in der 11. Stunde nachmittags starb nach Ablegung eines frommen Bekenntnisses, welches er, indem er seine Hand dem Herrn Pastor dargereicht, bestätigt hat, unter heißesten Gebeten fromm und friedsam in Jesu Christo, mein leiblicher Bruder Johannes Friedrich Luther zu Arnsfeld, und er ist im Arnsfelder Gotteshaus begraben worden.) Johann Friedrich Luther selbst hatte bei seinen Lebzeiten seinem Bruder Ernst, wie Richter in dem oben angeführten Werke berichtet, Folgendes ins Stammbuch geschrieben:

1.5.8.5.
Numquam tacuisse nocet nocet esse locutum.
Wer seiner Zungen hat Gewalt,
Der wird mit Ehren werden alt.
J. F. Luther.

Johann Friedrich Luther war ein Bruder der Anna Luther, die sich 1583 mit Nikolaus Marschall von Bieberstein auf Oberschaar vermählte. Durch meine Nachforschungen im ältesten, leider recht undeutlich geschriebenen und die Tauf-, Trau- und Sterbenachrichten von Arnsfeld samt den damals zugehörigen Filialen Grumbach mit Schmalzgrube, Steinbach mit Oberschmiedeberg, Satzung, Nieder- und Mittelschmiedeberg enthaltenden Kirchenbuch von 1574 habe ich folgende Kirchenbucheinträge gefunden:

  1. Am 11. Juni 1596 war „Frau Anna, Nicolai Marschaldts Nobilis weib, Pate bei einem Söhnlein namens Vitus des Toffel pergelt, d. i. Christoph Bergelt. (Das Wort Nobilis bedeutet: „des Edlen oder Adligen“).
  2. unterm 4. Juli 1596 findet sich als Pate eines Töchterchens Magdalena des hiesigen Diakonus Bartholomäus Prätorius eingetragen: „Die Edle Frau Anna, des Junkers Nicolai Mahrschaldts weib“.
  3. am 4. August 1600 stand bei einem Töchterchen namens Christina des Christoph Siegel Gevatter: „Der Edle, gestrenge und ehrenveste Junker Nickel Mahrschahl.“

Hiernach steht fest, daß Anna Luther, eine Enkelin Martin Luthers, mit ihrem Gemahl, dem Junker Hier liegt ohne Zweifel ein Schreib- oder Lesefehler vor, da die Beerdigung nach Ausweis des ältesten Arnsfelder Kirchenbuches am 30. Januar 1599 stattgefunden hat. Der Sterbetag war sonach der 26., nicht der 16. Januar.Marschall, tatsächlich in Arnsfeld gewohnt hat. Das Ehepaar scheint jedoch kinderlos gewesen zu sein, da diesbezügliche Geburts- bezw. Taufeinträge sich ebensowenig finden, wie Trau- oder Sterbeeinträge, und es scheint später seinen Wohnsitz von hier anderswohin verlegt zu haben; ob nach Schloß Bieberstein in der Ephorie Meißen, wo heute noch ein Rittergut sich findet? Dann würde der Name „Marschall von Bieberstein“ sich ohne weiteres erklären, der im hiesigen Kirchenbuche sich noch nicht findet. Möglich ist aber auch, daß der Vater unseres Marschalls in Bieberstein seinen Stammsitz gehabt und der Letztere erst nach dem Tode des Ersteren den Namen „von Bieberstein“ geführt hat.

Der in der Arnsfelder Kirche beerdigte Johann Friedrich Luther (geboren 1562) scheint unverheiratet geblieben zu sein und sich bis zu seinem Tode (1599) bei seiner Schwester Anna und seinem Schwager Nikolaus aufgehalten und dessen Gut bewirtschaftet zu haben. Welches Gut in Oberschaar mag das nun aber wohl gewesen sein? Nach meiner Ansicht kommen in Betracht entweder das jetzige „Brünnel-Gut“, weil es das größte Gut in Oberschaar ist, oder das frühere Bergelt‘sche, jetzt Mai‘sche Gut, weil es, wie ältere Leute berichten, früher den Namen „Kammergut“ geführt, also zur kurfürstlichen Kammer in irgendwelcher Beziehung gestanden haben soll. Höchstwahrscheinlich ist dieses Gut in Oberschaar ein dem Nikolaus Marschall gehöriges Lehnsgut gewesen. Uebrigens scheinen der Junker Marschall und seine Gemahlin Anna geb. Luther sehr leutselige Menschen und sehr beliebt gewesen zu sein, da sie das Taufpatenamt auch in ganz schlichten Familien bekleidet haben. In einem alten Lehensbriefe vom Jahre 1595 wird ein „Nicoll Marschalch zur Oberschaar“ erwähnt.

  1. Hier liegt ohne Zweifel ein Schreib- oder Lesefehler vor, da die Beerdigung nach Ausweis des ältesten Arnsfelder Kirchenbuches am 30. Januar 1599 stattgefunden hat. Der Sterbetag war sonach der 26., nicht der 16. Januar. ↩︎