Illustrierte Wochenbeilage der „Obererzgebirgischen Zeitung“ Nr. 46. – Sonntag, den 9. November 1930, S. 2 – 3.
Während des ganzen Mittelalters bis weit in die Neuzeit hinein peitschte eine furchtbare Geisel die Völker Europas: die Pest. Im 6. Jahrhundert war sie von den Ländern des östlichen Mittelmeerbeckens aus nach Westen vorgedrungen, flackerte bald da, bald dort empor und verbreitete allenthalben wildes Entsetzen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts hielt der schwarze Tod einen grauenvollen Siegeszug durch die Länder Europas, in dessen Verlauf er innerhalb von drei Jahren, 1348 – 1351, etwa 25 Millionen Menschen dahingerafft haben soll. Damit war die Zerstörungswut der Würgerin jedoch noch nicht erschöpft; denn immer wieder, bis ins 18. Jahrhundert, lesen und hören wir von Pestepidemien.
Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts tauchte das Schreckgespenst der Pest in den Städten und Dörfern unserer Heimat auf und suchte auch Buchholz verschiedene Male schwer heim. Mag. Christian Meltzer, der gewissenhafte Chronist unserer Bergstadt, widmete der Seuche und ihren Verheerungen ein besonderes Kapitel seiner „Historischen Beschreibung des St. Catharinenberges im Buchholz“ 1, an das sich die folgenden Ausführungen anschließen.
Ob und in welchem Umfang Buchholz während des ersten halben Jahrhunderts seines Bestehens vom schwarzen Tod heimgesucht wurde, läßt sich an Hand der Meltzerschen Chronik nicht feststellen. Doch ist anzunehmen, daß es nicht verschont blieb, zumal die Seuche innerhalb dieser Zeitspanne wiederholt in benachbarten Städten wütete, mit denen Buchholz in lebhaftem Verkehr stand. Meltzer berichtet hierüber: „Was aber in der ersten Hälfte des damahligen Seculi (d. h. des 16. Jh.) dißfalls vor gefallen, ist nicht deutlich auffgezeichnet zu befinden. Vermuthlich aber wird Pest, Englische Schweißsucht, Spanische Pfipß und andere ansteckende Krankheit auch nicht außen geblieben seyn. Und da insonderheit die Pest ao. 1506 in Schneeberg und in Annaberg und ao. 1507 daselbst wieder aufs Neue grassiret, fragt sichs, ob zu solchen Zeiten auch Buchholz werde verschonet blieben seyn, da es mit beyden Städten seine Communication gehabt hat? Anno 121 hat in S. Joachimsthal der damahligen Böhmischen und benachbarten Berg-Stadt (mit der Buchholz in jener Zeit enge und lebhafte Beziehungen unterhielt) die Pest hefftig rumoret, daß sie davon das große Sterben genennet worden.“ Und an anderer Stelle schreibt der Chronist: „Z Annabergk sturben an der Pest von Matthei (21. Sept. 1521) an biß Luciae (13. Dez. 1521) 1178 Personen. Was aber Buchholz damahls davon bekommen, ist nicht deutlich anzuzeigen, weil die ersten und alten Leich-Matriculen (d. h. Sterberegister) ermangeln. Es ist aber leicht zu erachten, daß es nicht wird verschonet blieben seyn, weil es Annaberg so nahe gelegen und volckreich gewesen ist, auch weiter hinauff die Contagion (d. h. Seuche) biß in Joachimsthal sich ausgebreitet.“
Genauere Nachrichten liegen für die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts vor, in deren Verlauf Buchholz vor allem in den Jahren 1568, 1582 und 1598/99 zu leiden hatte.
„Anno 1566,“ erzählt Meltzer, „seynd Freytag p. XXIII. Trinit. (d. i. unser Totensonntag) Jacob Wiedemann drey Kinder zugleich begraben worden, und Montags darauff noch ein Kind, und Dienstags Jacob Wiedemann selbst gestorben, muß wohl eine ansteckende Pest-Seuche grassiret haben, zumahl da es in Schneeberg auch geröhret.“ Vermutlich waren dies nicht die einzigen Opfer, weil anderwärts steht: „Die Pest hat alhier auch genießelt und in manchem Hauß ziemlich auffgeräumet.“ Schwerer war die Pestepidemie, die 1568 die Stadt heimsuchte.
„… die Contagion hat mehr und mehr umb sich gegriffen und viele Familien betroffen. Allermaßen in mancher Woche Zehen Leichen und drüber und in allen 186 diß Jahr gezehlet worden. Absonderlich aber ist im September die Menge derer Todten in einer Woche groß gewesen, daß man sich schier verwundern möchte, wie sie alle begraben werden können. In Annaberg aber hat die Contagion dermaßen gewüthet, daß über Zwey Tausend das Leben eingebüßet.“ Wenn in den nächsten Jahren keine Rede von der Pest ist, so möchte man trotzdem vermuten, daß sie nicht völlig erlosch, denn schon unter dem Jahr 1572 meldet Meltzer neue Trauerbotschaft: „In diesem Jahr seynd etliche Personen an der Pest gestorben, wie dann aus Matths Teuffels Hauße Er, Sie und Drey Kinder begraben worden.“
Zehn Jahre später, 1582, wurde die Stadt erneut heimgesucht, so daß „98 Personen darüber abgelebet“. Unter den Opfern, die Meltzer aufzählt, befand sich „der so genante Eitelböß sambt Weib und 5 Kindern und der Hirte Wolff mit 4 Kindern,“ ferner wurde der damalige „Schulmeister und Vice-Diaconus Christophorus Förster“ von der Seuche hinweggerafft. An diesen Todesfall knüpft Meltzer die Bemerkung: „… weil durch die Pest damahls die Mannschaft ziemlich auffgerieben und die Bergwerke in ihrem hiebevorigen Flor abgenommen, daß auch die Bergleute zerstoben, hat biß daher (d. h. bis zu Meltzers Amtszeit in Buchholz) der Ort sich nicht wieder erhoben und das Diakonat auch nicht wieder ersezet werden können.“ Die tiefe Mutlosigkeit einerseits, das ebenso unerschütterliche Gottvertrauen anderseits, mit denen die Menschen jener Nottage dem erbarmungslosen Würgen der Pest zuschauen mußten, ohne auch nur das Geringste dagegen tun zu können, kommt in folgendem deutlich zum Ausdruck: „Bey der ersten Pest-Leiche hat der damahlige Pastor, Donatus Michael, dieses andächtige Votum annotiret und beygefüget: Pestis grassari incipit. Deus sit nobis propitius propter meritum Filii sui dilecti Jesu Christi, et benigne hanc luem avertat! Womit er so viel zu verstehen gegeben, daß, nachdem der gerechte Gott die Pest grassieren zu laßen angefangen, er doch wolle Gnade erzeigen, umb das theure Verdienst seines geliebten Sohnes Jesu Christi und diese Pest-Seuche in Gnaden abwenden laßen!“
Härter noch wurde die Stadt in den Jahren 1598/99 betroffen. „Anno 1598 hat es allenthalben im Gebürge zu nißeln angefangen, daß man hiesigen Orts schon wiederumb 98 Leichen gehabt hat. Weil man dazumahl keine so kluge Vorsicht getragen, wie heut zu Tage zu geschehen pfleget, ja noch darzu die Pest-Leichen öffentlich zu Grabe bestattet, hat sich das Sterben allenthalben ausgebreitet, daß ao. 1599 die Verstorbenen alhier uff 206 an der Zahl summiret gewesen seyn.“ Eines der Opfer dieses Jahres war der derzeitige Kantor Nicolaus Friebel, der trotz der damit verbundenen Ansteckungsgefahr am 18. September 1599 unter großer Beteiligung der Bevölkerung beerdigt wurde. Die Seuche trat vom August an in größerem Umfang auf, erreichte im November, „der 73 Leichen zehlen laßen“, ihren Höhepunkt und währte bis in den Januar 1600 hinein. Viele Annaberger waren vor der Pest nach Buchholz entwichen, ohne jedoch alle dem Tod zu entgehen. „In dem angeregten 1599sten Jahr war von S. Annaberg, der Pest halben,“ so lesen wir bei Meltzer, „hieher in die neue Hütten entwichen des so genannten Schwarzhänßels Tochter. Und da dieselbe darinnen am 14. August gestorben und Niemand sich ihrer annehmen wollen, ist sie durch die Weiber und Todengräber uff S. Annaberg neben der Hütten begraben worden, wie in der Leichen Matricul annotiret ist. Und da am gefolgten 26. August eben dieses Mannes Enckel, seines Sohnes Töchterlein, in dieser Hütten auch an Pest verstorben, hat man es neben vorigen Leich gleicher gestalt beerdiget.“
Auch das 17. Jahrhundert sah Buchholz wiederholt unter dem Schatten der Würgerin. Bereits 1613 wütete sie im benachbarten Sehma, wo „diß Jahr 74 Pest-Leichen und darunter 46 Kinder gezehlet worden.“ Von da aus kam die Seuche durch Verschleppung in unsere Stadt, wo sie nur ein Opfer forderte. „… an. 1614 ist dem 9ten Januar Martin Rudloff in der Pest gestorben, nachdem er solche muthwillig gehohlet und vorher sich hefftig vermeßen gehabt, nicht in die Kirche zu kommen, deßwegen denn, wie in der Leichen-Matricul stehet, Gott ihn gestraffet, daß er gehling in Schwarm ohn Trost dahin gefahren.“
Sehr hart wurde unsere Stadt 1626 betroffen, ein Jahr, von dem der Chronist schreibt: „… es ist dem Buchholz ein recht unglückseeliges Jahr gewesen, nachdem zur selbigen Zeit es gewaltig abgekehret.“ Gemessen an der Zahl der Toten, die mit 233 ihren Höhepunkt erreichte, war diese Pestepidemie die schwerste, die die Stadt je verheerte. Kein Wunder, daß man angesichts dessen den schwarzen Tod als eine Strafe Gottes ansah, zumal „das Volck umb selbige Zeit in großer Sicherheit gelebet, deßwegen auch der damahlige Pastor, M. Krautstengel, das Weh über solche sichere Herzen ausgeruffen, worauff dann dieses große Sterben erfolget.“ Die Seuche hatte bereits im Jahre vorher „im Rathhauß bey dem Raths-Schencken zu grassiren angefangen, daß daran an die 20 Personen über andere, die natürlichen Todes gestorben, auffgerieben worden.“ Wie groß die Bestürzung und Not war, die einriß, bezeugt die von Meltzer wiedergegebene Erzählung einer alten Buchholzerin, namens Maria Ehrenschieldin, „daß sie in diesem großen Sterben gebohren und von gedachten Pfarrer (d. i. M. Krautstengel) aus dem Waßertrog hinter der Pfarrwohnung getauffet worden.“ Die Härte des Schlages, der damals Buchholz vor allem auch insofern schwer traf, als die Seuche namentlich unter der Bergknappschaft umging, erhellt aus folgender Betrachtung des Chronisten: „Selbige Contagion hat dazumahl viel Häußer wüst gemachet, die hernacher in denen bald darauff folgenden Einfällen (Meltzer spielt hier auf den Dreißigjährigen Krieg an, der seit 1632 auch unsere Heimat heimsuchte) mit eingerißen und zu Wach-Feuern gebrauchet worden, dahero von selbiger Zeit her eine merckliche Destruction der Gemeinde im Buchholz wahrzunehmen gewesen, von welcher es sich auch nicht gänzlich wieder erhohlen können. Denn ich finde auch auffgezeichnet, daß in der Pest nur etliche Baar Ehe Volck überblieben.“
Als dann in den dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts das Erzgebirge zum Schauplatz der Kämpfe zwischen Schweden und Kaiserlichen wurde, haben „die feindlichen Einfälle und Einquartierungen auch die Pest-Gefährlichkeiten immer zu ihren Geferten gehabt. Anno 1633 und 1634 hat die Contagion in unterschiedenen Häußern, wie an unterschiedenen Orten in der Nachbarschaft genistet, in dem der hießige Pastor Glenzel, der vorhero lang kranck gelegen, sambt einem Sohn und Tochter, deßgl. der Kirchner und sein Weib wie nicht weniger der Bader mit Weib und Kind daran gestorben. Und da von izt gedachten Personen einige der Gefahr nahe kommen müßen, kann man von andern mehrern urtheilen, wie es ihnen ergangen.“ Allerdings macht Meltzer in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, daß „zur selbigen Zeit die Soldaten-Kranckheiten und anfällige Fieber mit zur Contagion (d. h. Pest) gezehlet worden.“ – Interesses halber sei erwähnt, daß „in Sehma diß Jahr wiederumb 22 Pest-Leichen zu zehlen gewesen, darunter 3 Leichen fast drey ganzer Wochen liegen blieben, ehe sie nacher Schlettau hinein geschafft worden, und man sie des Nachts auff den Gottes-Acker gesezet und nicht angesagt, seynd sie noch 3 Tage daselbst gestanden, ehe sie begraben worden, welches ein Zeugniß giebet von der Unordnung, die zu solchen bößen Zeiten einzureißen pfleget. Zu Waltersdorff sind 17 Pest-Leichen zu Grabe geschaffet worden; zur Schlettau aber selbsten 92 Personen mit dem Leben bezahlen müßen.“ –
In dem vorigen Bericht aber heißt es weiter: „Aber an. 1639 hat die rechte Pest wieder etliche hingerißen, und im folgenden Jahr an. 1640 sich dermaßen ausgebreitet, daß diß Jahr 70 Personen, und darunter Kirchner und Todengräber und 7 Leichen aus dem Hospital, meistens an der Pest ihr Leben eingebüßet, gleichwie im nachfolgenden 1641sten Jahr solche Pest noch in Christoph Flathens, Schuhmachers Hauß, sich darin verspüren laßen, daß deßen Weib und Drey Kinder mit einander gestorben sind … In dieser trübseligen Zeit hat der Buchholzer Bürger Michael Sparnagel, dem 7. October (1640) die Gerichten vor sein Hauß kommen laßen, und weil ihm schon sein drittes Kind an der Pest verstorben und er selbst auch schon inficiret gewesen, hat er am Fenster stehende sein Testament gemachet, welches sein Weib, das heraußen auff der Gaßen sich befunden, zugleich erkläret.“
Der letzte Pestfall in Buchholz, von dem Meltzer berichtet, ereignete sich 1680, als die Pest von Annaberg nach hier eingeschleppt wurde: „… also hat auch ein Bürger und Posamentirer alhier, Nahmens Matthes Oertel, durch sein und derer Seinigen hin und hergehen solche Contagion aus Annaberg gehohlet, sonderlich, da er sein kranckes Kind von seinen Verwandten heraus und unter andern Mobilien auch Betten zu sich genommen. Wenn aber im November erstlich diß Kind und nachgehends das Weib gestorben, ist darauff der Mann, gedachter Oertel, nebst einem Sohn Benjamin von 17 Jahren und einem Töchterlein von 5 Jahren hinaus in eine Hütte, welche über der Capelle hinter, im Seiffen oder so genanten Wald (dem heutigen Stadtwald) zugerichtet gewesen, geschaffet worden, und Er, Oertel, darinnen zuerst den 1. Dezember, ferner das Mägdlein den 4. Dezember und so weiter der Sohn den 5. Dezember an der Pest verstorben. Ist von gedachten 5 Personen das erst besagte Mägdlein, ohngefehr von 9 Jahren, und darauff auch das Weib von bemeldeten Matthes Oerteln selbst in die von dem Todengräber gemachten und in der untern hintern Ecke uffm Gottes Acker bereitete Gräber in der Stille begraben worden, er aber, Oertel, hat alsobald des andern Tages in das von dem Todengräber gemachte Grab beneben der Hütte kommen müßen, weil sonst dem Sohn die Wegschaffung solcher Leiche alleine nicht möglich gewesen und Ihnen Niemand helffen mögen. Und diese beyden leztern Leichen seynd von dem Cunnersdorffischen Todengräber und seiner Schwester uff dem Gottes Acker und deßen bedeuteter Stelle in der Stille auch begraben worden. Es hat aber die Pest dazumahl, Gott sey noch iezo Lob und Danck dafür gesaget! nicht weiter umb sich gegriffen, ungeachtet sie in benachbarten Cunnersdorff ziemlich auffgeräumet, indem sie vom 18. Sept. biß 24. Nov. 49 Personen und darunter Sechß schwangere Weiber hingerißen.“
Wenn Meltzer in seinem weiteren Bericht behauptet, daß die Pest „in dem Oertelischen Häußlein ihre Reliquien“ hinterlassen habe, so dürfte ihm ein begreiflicher Irrtum unterlaufen sein. Er erzählt weiter: „Denn nachdem Abraham Feuereisen, ein Posamentirer, solch Häußlein erkauffet und in dem Hauß-Cämmerlein einen Posamentirer-Stuhl zu dem Ende auffgeschlagen, daß er zur selbigen Sommers-Zeit darinnen arbeiten mögen, unter solcher Arbeit aber uff der linken Seiten ein mit Lumpen verstopfftes Fensterlein auffgerißen, hat er nicht lange darnach an seiner lincken Hand und an dem Arm einigen Schmerzen gefühlet und solchen desto mehr empfunden, je mehr die Hand und der Arm geschwollen und auffgelauffen. Und da solcher Schmerz ihme das Herz eingenommen, ist er auch sobald des andern Tages unvermuthet gestorben, worauff dann, wie man berichtet, an seinem Leichnam wahrzunehmen gewesen, daß rechte Strahlen vom linken Arm gegen das Herz gegangen und der Halß und der Kopff ziemlicher maßen auffgeschwollen erblickt worden, und weil zumahl der gewesene Annabergische Pest-Mann, als ein Schwager, das Uebel erkennet und sofort im Hauße geräuchert und allen Personen darinnen etwas eingegeben, hat man daraus erachten müssen, daß dieses Mannes Absterben mehr uff sich habe, als daß, nach gemeiner Sage, daßelbe der kalte Brand verursachen mögen, obwohl dieser auch bey der Pest viel ausrichtet und schadet. Ja, man hat diß halber nicht unbillig mit Obrigkeitl. Ueberlegung und ohne Ausbreitung es veranstaltet, daß, weil er des Nachts am 3. Aug. 1688 verstorben, diese Leiche alsobald in ihren Sarg gebracht und flugs des andern Tages darauff ohne niedersegen vor der Leich-Predigt, wieder damahlige Gewohnheit, in ihr Grab geschaffet, und Gott sey Danck! weiter nichts mehr verspüret worden ist.“
„Gestalten Sachen nach wäre es nun am besten gewesen,“ heißt es dann, „wenn man dieses Häußlein alsobald, wie es ohne Schaden geschehen können, bey stillen Wetter weggebrennet, wie mit dem überbauten Pochwerck im Grund unter Buchholz am 26. Juni an. 1714 geschehen, weil darinnen aus Pobershau, einem damahls mit der Postirung belegten Pest-Orte einige Todengräber-Leute mit allerhand an sich gebrachten Sachen sich begeben hatten, deßwegen auff ergangenen Befehl und beschehener Erkundigung solches angezündet und weggebrennet worden. Gleichwie auch mit denen inficirten Pest-Häußern im besagten Pobershau nach kluger Sorgfalt eines hohen Ministri ein gleiches geschehen, worgegen aber zum Wiederauffbau ein jeder aus Königl. und Landesfürstl. Milde die Baukosten meistentheils erhalten hat.“
Damit schließen die Schilderungen Meltzers über die Pestverheerungen, die unsere Bergstadt im Laufe von zwei Jahrhunderten erlitten hat, und die sie nicht nur im Bevölkerungsstand, sondern auch wirtschaftlich schwer schädigten.
W. L.
- Herausgegeben von Medizinalrat Dr. Harms zum Spreckel, Annaberg 1929/30. ↩︎