Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 13 — Sonntag, den 24. März 1929. S. 1 —2
Palmensonntags-Erinnerung unserer erzgebirgischen Jugend.
Wenn morgen zum Palmensonntag die Kirchenglocken in Stadt und Land die Jugend zum Altar rufen, dann zieht es gar feiertäglich in die jungen Menschenherzen ein, für die es gilt, zum ersten Male vor unserm Herrgott ein Gelübde abzulegen, das bestimmend werden soll, für das ganze fernere Leben. Elternhaus und schule schließen für manchen die Pforten; Freiheit schlägt die goldenen Tore der Zukunft auf! — Siehe, da liegt die Straße deines Lebens vor dir — die freie Bahn „zu Gutem und zu Bösem“. Mahnend klingt in diesem Freudenrausch hinein die Glocke deines Heimatkirchleins, klingt, und ruft dich an des Heilands Seite. Ein treuer Hirte ist es, der dich führen will, unsichtbar deinem Auge, aber der Stimme deines Gewissens wohlbekannt. Selig, wer sich zu ihm hält. Was du junges Menschenkind von ihm morgen aus berufenem Munde in deiner Heimatkirche hören wirst, das bewege tief in deinem Herzen. Erst später, wenn du draußen im Kampf des Lebens stehst, einsam oft und verlassen, da wirst du die Wunderkraft der Palmensonntagsstunden in dir erfahren, da wird das Bild deines schlichten, einfachen Heimatkirchleins in dir eine lebendige Kirche, ein unversiegbarer Born der Kraft werden. — In einer Bilderserie lassen wir heute und in den folgenden Ausgaben unserer „Erzgebirgischen Heimatblätter“ die schmucken Kirchen unserer erzgebirgischen Heimat vorüberziehen. Meist sind es jahrhunderte alte Bauwerke, die ein Stück Geschichte unseres Erzgebirges miterlebt haben. Unsere Heimatkirchen sind ja Zeugen guter und böser Tage, die über unser Land gegangen sind. Morgen am Palmensonntag aber, da sollen sie Tempel der jungen Seelen werden, ein Stück lebendige Erinnerung an unsere Heimat!






