Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 32 – Sonntag, den 3. August 1930. S. 4.
und die auf so tragische Weise beim Brückeneinsturz ums Leben gekommene Buchholzerin, Frau Liddy Püschel, zeigt das nebenstehende Bild.

Das Gruppenbild der 3 Buchholzerinnen, die zur Befreiungsfeier nach dem deutschen Eck gefahren waren, bringt ein fröhliches Beisammensein am deutschen Rhein noch kurz vor der Katastrophe. Die verunglückte Frau Püschel erkennen wir in der Mitte der drei Personen, während links, das Einzelbild, Fräulein Gretel Großer aus Buchholz erkennen läßt, die ebenfalls kurz vor dem Unglückstag sich in einem Weinberg photographieren ließ.

Wie schon berichtet, befand sich Fräulein Großer in der Unglücksnacht zusammen Arm in Arm mit Frau Püschel auf der Koblenzer Brücke und stürzte mit in die Fluten. Mitten aus dem Knäuel von Menschen, die sich aneinanderklammerten und die auch Fräulein Großer am Schwimmen hinderte, konnte sich die tapfere Buchholzerin aus höchster Lebensgefahr retten. Sie versuchte sich aus dem Knäuel der Menschen zu befreien und es gelang ihr auch nach einigen Minuten eifrigen Schwimmens einen heranrudernden Kahn zu erreichen. Es war ihr nicht möglich, sich während des Schwimmens der vom Wasser schwer gewordenen Kleider zu entledigen, und vollkommen erschöpft wurde Fräulein Großer in den Kahn gezogen. Sie schilderte uns, mit welcher Bangigkeit man schon die Unglücksbrücke betreten habe, als man die Menschenmassen über die Brücke hinüberdrängen sah. Sie habe zuvor auch einen Schupo, der zufällig am Wege stand, gefragt, ob denn die Brücke zu passieren wäre, „Sie sehen ja“, so antwortete der Polizeibeamte, „die vielen Menschen, die da hinüber wollen, gehen Sie nur zu.“ Auf der Brücke selbst sei ein Drängen und ein Schieben gewesen, kein flottes Vorwärtskommen – und da plötzlich ein Krachen und Splittern – ein einziger Schrei – und das Unglück war geschehen!