Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 43. — Sonntag, den 19. Oktober 1930, S. 4.

Im Geschichtsverein zu Annaberg hielt dieser Tage der Besitzer der Löwenapotheke, Herr Bretschneider, einen Vortrag über die interessante jahrhunderte alte Geschichte dieser Apotheke. Wir haben in der „O. Z.“ hierüber eingehend berichtet und bringen als Ergänzung hierfür beistehendes Bild der Apotheke, wie sie vor 1870 aussah. Bereits 1508 wandte sich Nikolaus Bernhardt mit einer Apotheke nach Annaberg. Wann der Name Löwenapotheke aufgekommen ist, steht nicht sicher fest. Erwähnt wird er erstmalig 1833 in einem Tafellied zur Hochzeit des damaligen Apothekers Binder, in dem es heißt, daß hier auf den bewaldeten Höhen Binder sich sicher und frei fühlte und einen goldenen Löwen vor das Haus setzte, daß er ihm Wächter sei. Die Apotheke bestand zunächst als Ratsapotheke und wurde verpachtet. Daraus ergaben sich Schwierigkeiten in der Rechtslage. Unter den späteren Besitzern befanden sich Heinrich Mohr, Johann Rabeneck, Martin Liborius, Johann Fischer, Kaspar Schreiber, Johann Merkel, Juliana Themel, Adolf Härtel und Hermann Binder. Karl Ferdinand Bretschneider, der 1829 die Pharmazie erlernte und dann in Berlin studierte, kaufte die Apotheke 1838. Sein ältester Sohn Karl Louis übernahm sie 1873. Er war so hervorragend in seinem Beruf, daß man ihn zum stellvertretenden außerordentlichen Mitglied des Landesmedizinalkollegiums ernannte. Am 1. Juli 1905 übergab derselbe die Apotheke seinem Sohn, Herrn Max Bretschneider, der nach seiner pharmazeutischen Ausbildung in München Naturwissenschaft studierte. Als Oberapotheker machte er den Weltkrieg mit. In einer Anzahl von Ehrenämtern ist er nebenberuflich hingebend tätig, unter anderem als Kirchenvorstandsmitglied von St. Annen. – Auch unter den vormaligen Apothekenbesitzern befanden sich solche, die eine Rolle im öffentlichen Leben der Stadt Annaberg spielten. So hatte Johann Merkel es verstanden, sich die Gunst seiner Mitbürger zu erwerben. Er wurde 1641 Ratsherr, dann fünfmal Stadtrichter und zehnmal regierender Bürgermeister. Ferner war er Landbaumeister für die Ratsdörfer Königswalde und Bärenstein und verwaltete außerdem 40 Jahre lang das Ehrenamt eines Schützenhauptmanns, das hoch in Achtung stand.