Erzgebirgische Heimatblätter. Nr. 48 – Sonntag, den 25. November 1928. S. 2.
Die ungeheure uralte Wüstenei des Gebirges kann uns eines viel anderen bereden, und wir lassen es bei dem Urteil eines Gebirglers, wenn er schreibt: „Es ist eine alte Rede, als die Zwerglein oder Männlein im Gebirge gewohnt und sich redlich beklagt, sie müßten wegziehen; denn sie könnten das Pochen auf den Eisenhämmern und Zwittergebäuden nicht hören und vertragen, sie wollten aber wiederkommen, wenn die Hämmer abgehen würden.” Das ist entweder Fabel- oder Teufelswerk, das bei dem angehenden hellen Licht des Evangeliums den Segen Gottes uns Gebirglern nicht gegönnet, und es durch Gebet, Singen und Seufzen der Bergleute vertrieben worden. Es ist aber wiedergekommen bei dem Deutschen Kriege und hat Städte, Dörfer, Kirchen, Schulen, Hämmer und alle Nahrung verwüstet, wie er sich denn von 1630 – 1648 im Gebirge entsetzlich getummelt, dass sich das arme Volk in Zwerg- und Bärenlöcher verkrochen. Oder die lieben Alten haben etwa von Hunnen, die das Meißnerland verheert, oder von den über das böhmische Gebirge in Meißen einfallenden Hussiten gehört, von welcher willen die armen Gebirgler auf die Berge geflohen aber gar weggemacht, weil sie den Feinden viel zu schwach und gegen sie als Zwerge zu achten gewesen.
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Das Bergbüchlein.
II. Vom Gebirge insonderheit.
1. Kapitel.
Von den Bergen im Obererzgebirge.
Jedes Land rühmt seine Berge. Darum wird es mir auch vergönnt sein, meines Vaterlandes Gebirge zu beschreiben …aßen Berg und Tal auch den Herrn lobt. Zwar hat mir niemand meine Mühe, Tinte, Feder und Papier bezahlt, dennoch erachte ist es für eine Schande, wenn wir nicht Gottes Wunder an unserm Vaterlande preisen. Insgemein ist es im Gebirge gebräuchlich, daß alle Hügel, Höhen, Knochenberge, Gehänge und Klippen ihre besonderen Namen führen. Daher müßte einer viel zu tun und zu schreiben haben, der alle wilden, rauhen, unbewohnten oder sonst wenig erforschten Gebirge beschreiben wollte, als da sind der Dürrenberg, der Spitzberg, der Pfalberg, der Fastenberg, der Hemberg, der Rabenberg, der Braunsberg, der Geyersberg, der Dittersberg, der Katharinenberg, der Drachenberg, der Erlenberg, der Eisenberg, der Fellberg, der Hartenberg, der Henselsberg, der Hirtenberg, der Hühnerberg, der Keilberg, der Kreffelsberg, der Küheberg, der Kupferberg, der Magnetenberg, der Mückenberg, der Milckenberg, der Pastelberg, der Rosenberg, der Rittersberg, der Sehmerberg, der Schreckenberg, der Spiegelberg, der Stahlberg, der Tannenberg, der Wolfsberg, der Zigeunerberg, der Sauberg u. s. f. Könnte man einen Generalgrundriß nach dem Lager des ganzen Obererzgebirges mit allen Höhen und Tiefen, Strecken und Gehängen, Zusammenfügungen und Abfällen vor Augen stellen, so würde man auch hier einen ziemlichen Knoten der rauhen Knöchel und des wilden Gerippes des böhmischen Gebirgswaldkranzes sehen. Denn wiewohl es an Künstlern nicht gefehlt, welche die gebirgischen Amtsreviere nach deren Rainungen und Flüssen, Waldflügeln und Rundungen, Pässen und Straßen abgezogen und aufs Papier gebracht haben, hat dennoch bisher noch keiner eine so hohe Station auf dem höchsten Gebirge, viel weniger in freier Luft finden können, um das ganze Obererzgebirge in einem einzigen Prospekt zu fassen und dessen Situation in einem akkuraten Grundriß darzustellen.
Indessen wird kein Verständiger in Zweifel ziehen, daß dieses uralte Waldgebirge seinen Ursprung von der ersten Schöpfung habe und nicht allererst durch die Sündflut sei verursacht worden. Zwar findet man am hiesigen Gebirge genugsam augenscheinliche Merkmale der erschrecklichen Zornflut, als dadurch an steilen und hohen Bergen, Felsen und Schroffen zerstuft, das Pfeilergestein niedergestürzt und in viel tausend schwarze große Wacken, ja auch in viel huntertzentnerige Felsenstücke zerrissen wurden, davon Vor-, Mittel- und Hintergebirge bedeckt liegt.
(Fortsetzung folgt.)