Beim Kaufmann in Zweibach.

Von A. Härtel – Rittersgrün

Illustrierte Wochenbeilage der „Obererzgebirgischen Zeitung“ Nr. 9 – Sonntag, den 23. Februar 1930, S. 1

Nett weit vom Wald drvuh 
do stieht in aller Ruh 
a klaanes Landgasthaus.
Mr braucht bluß nei ze gieh‘, 
Glei kimmt mr nett mee raus.

Das ist  nicht etwa ein Tütelkrämer, wie msn aus der Ueberschrift vermuten könnte, sondern ein richtiggehender Wirt in einem kleinen Landgasthaus. Wozu hätte auch Zweibach einen Kaufmann nötig; denn es hat ja nur zwei Häuser. Seinen Namen hat es aber wahrscheinlich von dem Zusammenflusse zweier Bächlein in der Nähe dieser beiden Häuser. Ein Gasthaus muß aber unbedingt in einer so großen Siedlung vorhanden sein. Ja und gerade jetzt, wo der Winter noch seine Herrschaft hat. Hat denn aber der Winter mit dem Zweibacher Gasthaus etwas zu tun? Aber selbstverständlich. Es liegt ja an der Straße, die vom Fichtelberg über die Tellerhäuser hinunter nach Rittersgrün führt. Und diese Straße ist ja bekanntlich eine der besten Ski-Abfahrten vom Fichtelberg ins Tal. Hat man auf dieser herrlichen Abfahrtsstraße so manche Kurve im schneidigen Schwunge genommen, so landet man endlich auf ebener Fläche und ist beim Kaufmann. Da die Beine etwas von der Schußfahrt zittern, muß unbedingt abgeschnallt werden. Es lädt ja auch dieses kleine Gasthaus freundlichst dazu ein. Skier und Stöcke im Freien neben der Treppe hingestellt – hier stiehlt niemand – und nun „rinn ins Vergnügen“. Bitte die erste Türe links; denn hier ist es am gemütlichsten. Ein recht warmer Ofen sorgt für die nötige Annehmlichkeit. Da kann man sich auch getrost in Hemdsärmel hinsetzen und sich feinen Kaffee, Tee oder Milch schmecken lassen. Auch einen anderen guten Tropfen kann man noch bekommen. Ein Grammophon, nicht gerade von der neuesten Sorte, jedoch die schönen Güntherlieder spielend, ermuntert zum Gesang. Dort an der Wand hängt sogar der „Stülpner-Karl“ unter Glas und Rahmen. Wenns not tut, kann man sich von der Wirtin auch ein paar Filzschuhe borgen. Gegen Abend wird noch die Petroleumlampe, die fein säuberlich geputzt, angebrannt und nun kann der Hutzenabend losgehen. Ist kein Platz mehr in der Stube, dann wird eben in das sogenannte Gesellschaftszimmer ausgewandert, wo es ebenso anheimelnd und saugemütlich ist. Aber auch von der Neuzeit ist unser Kaufmann beleckt. Jederzeit kann man von hier nach Geld telephonieren, wenns ja knapp geworden. Bei nassem Wetter ist auch für die gesorgt, wo‘s klebt; man bleibt eben bei Kaufmann über Nacht. Die Quecksilber aber, auf zur Fahrt nach Rittersgrün; hier kurze Rast und dann per Auto oder Bahn der Heimat zu.