Mit Winterbildern aus vergangener Zeit.
Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 9. – Sonntag, den 24. Februar 1929. S. 1 — 2.

Der diesjährige Winter erinnert mit seiner strengen Kälte, mit den gewaltigen Schneemassen etc. wieder einmal an die alten erzgebirgischen Winter, von denen so viel erzählt wird. In Wort und Bild lassen wir unseren Lesern in dem nachfolgenden illustrierten Artikel des Herrn Studienrat Langer—Annaberg eine schöne Skifahrt über den Erzgebirgskamm mit erleben, und zeigen dabei einige interessante Bilder, u. a. eine alte Ansicht vom „Neuen Haus“, wie sie gewiß auch einem großen Teil unserer Leserschaft noch in guter Erinnerung ist. In dem Artikel heißt es: „Es war an einem sonnigen Februartage des Jahres 1913, als ich mit einem Freunde Oberwiesenthal zustrebte, um von dort aus eine längere Skiwanderung anzutreten. Im Niederlande hatte sich bereits der Frühling angekündigt, oben auf dem Kamm aber lag noch Schnee in Hülle und Fülle. Es begann zu dunkeln, als wir in Oberwiesenthal dem Zügle entstiegen, aber wir konnten es uns doch nicht versagen, erst noch eine Weile uns im Schnee zu tummeln, ehe wir uns zur Nachtruhe in die gemütliche Leipziger Ski-Hütte begaben. —

Früh am Morgen waren wir schon wieder auf den Beinen. Als zur Linken des Keilberges die Sonne aufging und ihre Glutbündel über das weiße Land warf, zogen wir bereits unsere Spur hinauf zum Fichtelberg. Bald war der Gipfel erreicht und wir konnten der Versuchung nicht widerstehen, den Turm zu besteigen und hineinzublicken in die Weite. Klar lag das Gebirge vor uns, nichts blieb dem Auge verborgen. — Aber die Zeit eilte vorwärts und unser Ziel war noch weit. Bald hatten wir daher unsere Bretter wieder unter den Füßen und fuhren den Prinzenweg hinab, überschritten auf der damals noch gut gangbaren Schneise den Hinteren Fichtelberg und hatten in wenigen Minuten das „Neue Haus“ erreicht. So herrlich war der Tag, daß wir uns entschlossen, auch noch auf den Keilberg zu steigen, obwohl er nicht an unserem Wege lag. —

Wieder erfreuten sich unsere Augen an dem herrlichen Rundbild, aber dann ging es eilends hinab, an Gottesgab vorbei dem Spitzberg zu. Dann bogen wir nach Süden ab und erreichten bald die nach Abertham führende Straße, der wir nun folgten. Kurz hinter Werlsberg nahm uns ein Waldweg auf und eine gute halbe Stunde später standen wir auf dem dritten Gipfel des Tages, dem Pleßberg. — Die Mittagsstunde hatte bereits geschlagen und daher betraten wir zu längerer Rast das freundliche Unterkunftshaus. Eine Stunde war rasch vergangen. Wir mußten weiter. In rascher Fahrt ging es hinab nach dem 200 Meter tiefer gelegenen Abertham, das im Winterschlaf dahindämmernde Städtchen wurde durchschritten und dann betraten wir das weite Hochmoor, das sich nach Platten hinzieht. Heiß brannte die Sonne hernieder, fast sommerlich warm wurde es uns. — Bald lag auch Platten hinter uns. Noch wenige Minuten folgten wir der nach Johanngeorgenstadt führenden Straße, dann bogen wir links in den Wald ein, der uns hinaufführte in das interessante Gebiet des Kleinen Kranichsees. Eine prächtige Fahrt brachte uns in den Abend hinein. Bald war die Sonne hinter den weiten Kammwäldern versunken und nun wurde es sofort empfindlich kalt. Wir beschleunigten unsere Schritte, fuhren hinab nach dem einsam gelegenen Steinbach und stiegen nun hinauf zu unserem Ziele, dem Auersberg, Sachsens zweithöchstem Gipfel. — Wieder brach ein herrlicher Morgen an. Bei Sonnenaufgang schnallten wir unsere treuen Skier an und in rascher Fahrt ging es die Südschneise hinab, vorbei an den wenigen Häusern von Sauschwemme, bis zu der nach Wildenthal führenden Straße. Aber nur wenige Minuten folgten wir dieser. In Oberwildenthal fanden wir einen Waldweg, der uns erst hinauf auf den das oberste Bockautal begrenzenden Höhenrücken, dann in schöner Abfahrt hinab ins Tal führte. Bald war der einsame Weiler Weiters Glashütte, erreicht und nun verfolgten wir den Kammweg, der von der Elbe über das ganze Erzgebirge bis zum Vogtland führt. Unbeschreiblich schön war diese lange einsame Waldwanderung. Nichts störte die feierliche Stille. Unwillkürlich verlangsamten wir unsere Schritte. Oft lockte uns ein Seitenweg, ein Stück hinabzufahren nach Norden oder Süden, aber immer wieder kehrten wir zum Kamm zurück. Stunde um Stunde verging in wunschlosem Genießen. Aber die Uhr rückte vorwärts und der Zug wartete nicht. Endlich lichtete sich der Wald, wir traten hinaus auf die Höhe des Aschberges und nun erwartete uns der schönste Abschluß des schönen Tages: Frei lagen die Höhen des oberen Vogtlandes vor uns. Aber alle diese Höhen lagen in glutroten Schein getaucht da, glutrot flammte der Himmel, ein einziges Meer von Farbe, eine Flut von Licht umwallte uns, die nicht Irdisches mehr an sich hatte. So manchen Sonnenuntergang hatte ich schon auf freier Bergeshöhe erlebt, so hatte mich aber noch nie einer gepackt. Lange standen wir da in unfaßbarem Staunen über das Farbenwunder, endlich aber kam uns das harte „Muß“ doch wieder zum Bewußtsein. Noch einmal umfaßte der Blick die Herrlichkeit der Natur, dann neigten sich die Spitzen der Skier nach vorn und in sausender Abfahrt ging es hinab in die Tiefe. Ein unvergeßliches Erlebnis lag hinter uns. Noch einmal schauten wir hinauf zu der höhe, die uns das Schönste beschert hatte, dann legten wir still die Skier ab, und wenige Minuten später trug uns der Zug aus den reinen Höhen des Gebirges wieder hinab ins dunstige, trübe Niederland.“ — Was unseren Lesern hier aus berufener Feder von der Schönheit des Winters geschrieben wurde, das erleben in diesen herrlichen Tagen noch tausend und abertausend Sportler und Sportlerinnen. Glückliche Jugend von heute, die die fröhlichen Wintertage mit erleben darf, wie sie soeben hier beschrieben worden sind, Wintertage mit Schnee- und Rauhreifzauber, wie unsere Bilder sie wiedergeben und sie uns der liebe Herrgott noch recht zahlreich bescheren möge. Und nun, hinaus in die freie reine Winterluft, um dieselbe in vollem Maße zu genießen und sich in den Sonnenstrahlen zu baden.