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Aus der Ortsgeschichte von Wiesa.

Von Otto Fiedler.

(2. Fortsetzung und Schluß.)

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 10 vom 5. März 1939. S. 1 – 3.

Auch hat die Natur in deren Nähe nicht nur durch Felsen Klippen, davon sich der Burgstein auszeichnet, Wendungen der Flüsse u. d. m. Merkwürdigkeiten aufgestellt, sondern es werden auch edle Steine gefunden, da jenseits des Zschopauflusses ein Amethystenbruch liegt und gegen das Dorf an dem Häuersteig eine Smaragdengrube befindlich ist, über dieses neben der Badmühle der sogenannte Wurststein gebrochen wird, welcher durchs Schleifen das Ansehen einer Speckwurst gewinnt. Ohnweit des Fürstenhauses befindet sich ein Brauhaus mit einem vortrefflichen Keller versehen, da sommerszeit Breihahn oder Weißbier gebraut wird. In einiger Entfernung davon auf der Wiese neben dem Walde steht eine Mühle mit einem Gang und einer Oelmühle, so die jetzige Gerichtsherrschaft 1793 hat erbauen lassen.

Zu den übrigen herrschaftlichen Gebäuden gehören noch das Vorwerk und die Schäferei, wo seitwärts zwei Untertanenhäuser angebaut wurden.

Von den übrigen Zubehörungen zum Rittergut.

Diese betreffen an Gebäuden die Schäferei bei der Kirche, die ohnweit da am Zschopauflusse liegende Mühle mit drei Mahlgängen und einer Schneidemühle; das Vorwerk oder sogenannte neue Gut bei den drei Gütern an der Annaberger Straße, welches die jetzige Gerichtsherrschaft, sowie die Schneidemühle in der ersten Zeit des Besitztums von Wiese hat erbauen lassen. Die Schmiede ist vom Rittergut getrennt und zahlt einen jährlichen Erbzins.

Außer den Feldern, die beim Hof liegen und in den alten Zeiten gemeine Güter gewesen, gehören noch zu denselben die sogenannten Arnoldsgüter an der Annabergischen Straße, die Felder beim Humpel gegen Geyersdorf, die beim Wiesenbad, die große Wiese, rauhe Wiese, Beyer- oder Beerwiese.

Die herrschaftlichen Teiche sind: Der große und der kleine Gärtnerteich, der Seidel-, Dorf-, Stall-, Pferde-, Otter- und Scheibenteich nebst sieben Brutteichen, der schwarze Teich zur Hälfte und der ohnweit der Schäferei in Wiesenbad an der Waldung liegende Teich.

Die Herrschaft ist mit der Fischerei im Flußwasser der Zschopau und Biehl, soweit als sich das Wiesner Gebiet erstreckt, berechtigt.

An Waldungen gehören der Herrschaft: die große und die kleine Haide, das lange Holz, der Plattenwald, der Ziegenbusch, der Hahnrück bei Geyer.

In Absicht der Dienstleistungen von den Untertanen des Dorfes ist das Rittergut mit Zinsen und gemessenen Frondiensten belehnt, ingleichen mit Gerichtsbarkeit, Bierbrauen und Branntweinbrennen und Schänken, kleinen Jagd.

Hiernach dependiert von der Herrschaft ein Bergamt, so über die Zinn- und Eisenzechen hiesiger Bergreviere gesetzt ist, wovon als Untermetallen dieselbe den zehnten Teil empfängt und die Hälfte der Tranksteuer auf das Bierbrauen erhält.

Von der Kirche in Wiesa.

Kopie
Ein umstrittenes Bild von der alten Wiesaer Kirche.
In der Sakristei der Wiesaer Kirche hängt ein alter Kupferdruck, dem die Bezeichnung „Wiesa“ ohne nähere Angaben und Jahreszahl aufgedruckt ist. Der Kupferdruck, von einem Wegener nach der Natur gezeichnet und von F. A. Renner gestochen, stammt aus der Kunstsammlung eines Münchner Malers, der ihn in der Nachkriegszeit dem Pfarramt Wiesa verkaufte. Pfarrer Schwarz, bei dem Rückfrage gehalten wurde, nachdem Zweifel auftauchten, schreibt, daß man seinerzeit nicht zur unbedingten Klarheit gekommen ist, ob dieses Bild die einstige Kirche von Wiesa darstelle oder ob sie zu einem anderen gleichnamigen Ort gehört hat. – Wie der Chronist berichtet, ist die Wiesaer Kirche, als sie noch Filialkirche von Schönbrunn war, im Jahre 1740 dergestalt erneuert worden, daß alles Holzwerk bis auf die Mauern abgetragen wurde. Die im Jahre 1903 abgebrochene Kirche trug am westlichen Giebel den Glockenturm und am östlichen einen kleineren Dachreiter. Da auf diesem Bilde aber weder dieser Zierturm, noch die Anbauten, die aus der Erneuerung vom Jahre 1740 herrührten, zu sehen sind, kann vielleicht angenommen werden, daß das in der Sakristei der Kirche befindliche Bild die äußere Gestalt der Kirche in der Zeit vor 1740 zeigt.

Diese steht fast in der Mitte des Dorfes auf einem Berg und Felsen, ist mit einem proportionierlichen Turm und dergleichen kleineren versehen und faßt eine ziemliche Menge Zuhörer, ob das Gebäude schon nicht allzugroß ist. Solche hat bereits im Papsttum bestanden und ist die Filiale von Schönbrunn bis 1782 gewesen, wurde 1740 erneuert, da bis auf die Mauern und herrschaftlichen Chöre alles Holzwerk abgetragen und solche bis auf einige neuere Veränderungen in den gegenwärtigen Stand gesetzt worden. Das ganze Kirchengebäude ist, ohne das Vorhaus und herrschaftliche Begräbnis, mit Schiefer belegt, als vorher dasselbe mit Pfosten übersetzt und Dach und Turm mit Schindeln gedeckt gewesen. Im Jahre 1786 wurden Kanzel und Altar mit Malerarbeit staffiert und 1801 die Emporkirchen zur Rechten und Linken des Altars weiß gefärbt.

Kopie
Außen- und Innenansicht der alten Wiesaer Kirche, die 1903 abgebrochen worden ist.
(Aufnahme: Föppel-Annaberg – T. A. W.-Bilderdienst, 2 K.)

Auf beiden Seiten des Altars sind Schilder angebracht, an welchen die Wappen und Anfangsbuchstaben von den Namen der damals bei Erneuerung des Kirchengebäudes lebenden Herrschaften in Wiese und Neundorf in Holz zierlich ausgeschnitten, nämlich auf der Seite gegen die Sakristei auf Wiese sich beziehend: C. H. v. W., das ist Christian Heinrich von Watzdorf, und auf der anderen Seite auf Neundorf deutend: J. D. v. S., das ist: Johann Damm von Schönberg.

Von den Herren Pastoren.

Seit der Reformation D. Luthers sind folgende Herren Pastoren vom hochlöbl. Oberkonsistorio zu Dresden zur Verwaltung des Pfarramtes allhier berufen worden, wo laut der alten Matrikel der Pfarrer an einem Sonntag in einer Kirche Vor- und Nachmittags und den anderen Sonntag in der andern Kirche predigen, in der Woche aber in jeder Kirche eine kurze Predigt abhalten soll.

  1. Herr Georg Keuderlein, von welchem keine Nachrichten zu finden.
  2. Herr Johann Lindner, von Freiberg, trat 1554 hier an und starb 1585.
  3. Herr Georg Herrmann, von Zwönitz.
  4. Herr Anton Rummel, von Wurzen, wurde berufen 1608, starb 13. Sonntag n. T.
  5. Herr Jacob Syrbius, von Colditz, berufen 1634, starb 15. Januar 1663.
  6. Herr Ehrenfried Wildfeuer, von Marienberg, war hier von 1663 bis 1675.
  7. Herr Chr. Rud. Müller, von Dresden, anfangs W. substituiert, wurde 1676 Pfarrer.
  8. Herr J. Christoph Werner, von Borna, succedierte hier 1697, starb 1711.
  9. Herr Nicolaus Jacobi, von Gommern, kam 1711 hierher, zog 1720 nach Rückerswalde.
  10. Herr J. Georg Lautenschläger, von Gera, trat 1720 ins Amt, starb 1738.
  11. Herr F. Erdmann Dietrich, von Lunzenau, trat 1738 ins Amt.
  12. Herr J. Georg Wagner, von Chemnitz, trat 1747 ins Amt, starb 1781.
  13. Herr G. Traugott Wagner, hielt 1780 hier die Antrittspredigt.
Kopie
Pfarrer Georg Wagner,
im Amte gewesen von 1747 – 1781, hat in Wiesa schwere Notzeit miterlebt. Im Jahre 1747 starben in Wiesa mit Wiesenbad und Neundorf 200 Menschen und zwar in der Hauptsache an den Folgen der Hungersnot. Die im Sterberegister immer wiederkehrenden Erklärungen zu den Todesfällen: an Hunger gestorben, nachts hingeschleift, mit Ochsen hingeschleift, an hitzigen Fieber gestorben u. a., bieten ein erschütterndes Bild von der Notzeit jenes Jahres. (T. A. W.-Bilderdienst, K.)

Seite 3 – eine Zeile Textverlust in der Kopie – meinde meinde um einen eigenen Pfarrer an. Der erste Pfarrer, Herr Johann Christian Teucher, von Bernsdorf, trat 1782 hier ins Amt. Ihm folgte Herr Johann Ehregott Klinkhardt, von Schwarzenberg, hielt 3. Epiphansonntag 1791 hier die Antrittspredigt.

Von der Anzahl der Untertanshäuser und von einigen mit Namen belegten Gütern in Wiese.

Der Begüterten und Großgärtner sind 38 in 18½ Hufen verteilt und der Häuser auf 90, zu denen ältern mehr, zu den neuern aber wenig Grasplatz gehört. Von den Gütern führt das eine, welches ostwärts gegen Geyersdorf zu liegt, den Namen Riesenburg, ist wegen seiner ehemaligen vornehmen Besitzer merkwürdig und hat solche Benennung von dem berühmten Rechenmeister Adam Riese, welcher Bergmeister in Annaberg gewesen, erhalten, so es in Besitz gehabt und 1559 verstorben ist. Als Nachfolger im Besitz dieses Gutes werden in den Kirchen- und Gerichtsbüchern gefunden: Hans von der Straßen und ein Eybe von vornehmem Geschlecht. Im 30jährigen Kriege 1641 wurde dieses Gut, so ansehnliche Gebäude hatte, nebst allen Scheunen von den Soldaten in Brand gesteckt. Ein zweites Gut, so gegen Annaberg liegt, heißt das Weißgut und hat diesen Namen von einem ehemaligen Besitzer Hans Weiß.

Von dem eingepfarrten Dorf Neundorf.

Dieses besteht aus 80 Feuerstätten und teilt sich in Ritterguts- und Amtsseite. Besitzer vom Rittergut, als Erb-Lehn- und Gerichtsherrschaft zu Neundorf, sind folgende gewesen:

  • Herr Hans Christoph und Nicol Stange, bis 1571 erwähnt.
  • Herr Rudolph und Hans Stange 1586 erwähnt.
  • Frau Agnes Ursula Stangin und Söhne 1614 erwähnt.
  • Frau Brigatta Stangin nebst Sohn 1642 erwähnt.
  • Herr David Gödelmann 1648 erwähnt.
  • Seite 3 – eine Zeile Textverlust in der Kopie
  • Herr Nicol Schneidewein 1664 erwähnt.
  • Herr Heinrich Rudolph von Hermsdorf 1667 erwähnt.
  • Frau Brigitta von H. geb. Allepeck.
  • Herr Hans Adolph von Hartitzsch 1683 erwähnt.
  • Frau Anna Katharina von Hartitzsch 1684 erwähnt.
  • Frau Dorothea Eleonora von Rottleben, geb. von Hartitzsch und Geschw. 1695 – 1698.
  • Herr Adam Friedrich von Schönberg, auf Windendorf 1698 – 1707.
  • Dessen Erben 1707 – 1712.
  • Herr Johann Damm von Schönberg 1712 – 1748.
  • Herr Friedr. Aug. von Schönberg 1748 – 1757.
  • Herr Curt Alexander von Schönberg 1757 – 1759.
  • Herr Anton Freiherr von Taube 1759 – 1773.
  • Herr Johann Christoph Günther 1773 – 1774.
  • Herr Johann Georg Günther als Erbe.
  • Frau Generallieutenantin Sophia v. Zeutzsch 1774 – 1786.
  • Herr Christian Friedrich Breitfeld 1786 – 1790.
  • Der Hochgeb. Herr, Herr Carl Johann Wilhelm von Nostitz-Drzwicky 1790 bis 1805.
  • Herr Johann Gustav Klette, Lieutenant der Kavallerie, 1805 bis 1806 erwähnt.
  • Herr Johann Gottlob Philipp, Erb-Lehn- und Gerichtsherr auf Neundorf von 1806 an.

Soweit die 1807 geschriebene Chronik. Die Grafen von Wallwitz verkauften das Rittergut Wiesa 1817 an August Gottlob Eisenstuck in Annaberg, der die Gebäude 1823 in neuer Gestalt errichtete. Er lebte bis 1848 und vererbte das Rittergut an seinen Schwiegersohn Karl Wecke, den Großvater des gegenwärtigen Besitzers. – Das Rittergut Neundorf hat in vergangenen Jahrhunderten öfter den Besitzer gewechselt, bis einer von diesen große Flächen zur Aufforstung an den Staat verkaufte.