Von Otto Fiedler.
(1. Fortsetzung.)
Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 132. Jahrgang Nr. 9 vom 26. Februar 1939. S. 5 – 6.
Vom Rittergut.
(1448 – 1793.)
Das Gebäude davon steht auf einer Anhöhe der Kirche gegenüber, ist mit einem steinernen zierlichen Turm versehen, besteht aus dem Herren-, Brau-, Malz- und Gesindehaus, davon ersteres nebst Turm mit Schiefer gedeckt und wird von vielen Wirtschaftsgebäuden umgeben. Aus alten Zeiten sind hiervon weiter keine Nachrichten aufzufinden, als daß nach Angabe des Herrn Benjamin Sommers, eines vormaligen Gerichtsverwalters, die ersten Besitzer vom Bad und den Grundstücken in Wiese gewesen, die Herren Friedriche, Geschlechter von Nürnberg, so zu Ehren auf dem sogenannten Schützenhof gewohnt haben und in folgender Reihe vorkommen:
- Herr Nicol Fridrich war Besitzer von 1478 – 1488.
- Herr Hans und Melchior Friedrich, letzterer von andern Kaspar genannt von 1488 – 1552.
- Herr Wolf Friedrich von 1552 – 1566.
- Herr Hans Friedrich von 1566 – 1575.
- Herr Stephan Hünerkopf von 1575 -1596.
- Herr Sebaldus Hünerkopf von 1597 – 1602.
Auf einer Tafel im herrschaftlichen Kirchenchor ist zu lesen: Anna Hünerkopfin zur Wiesen, geborne Bünau von Meiselwitz, 1599 und von außen am Chor unterwärts stehen nebst zween Wappen die Anfangsbuchstaben der Namen A. v. B. S. HK. mit der Jahreszahl 1599. - Herr Hans Georg Meusinger, von Kottersritt, kaufte Wiese 1600, wurde 1603 vom Churfürsten mit Ober- und Erbgerichten verliehen, erbaute 1604 das Herrenhaus, welche Jahreszahl auch über dessen Haustüre zu lesen, und ist bis 1616 allhier Gerichtsherr gewesen. Die Anfangsbuchstaben von den Namen dieser Herrschaft H. G. M. v. K. A. M. sind gleichfalls nebst doppeltem Wappen mit Bemerkung der Jahreszahl 1605 am Kirchenchor von außen über dem Gitterfenster befindlich.
- Herr Hans Unwirth wurde 1615 Besitzer vom Rittergut, starb den 19. September 1618 im Alter von 36 Jahren.
- Nach dessen Tod hat die Witwe, Frau Anna Unwirthin, welche 1624 Ernst von Milkau geheiratet und mit diesem bis 1626 in der Ehe gelebt, die Verwaltung bis 1648 gehabt, da sie dann ihrer Tochter
- Frau Anna Margaretha Vitzthumin das Rittergut übergeben, die solches von 1649—1663 erblich behalten.
- Im Jahre 1663 kaufte dasselbe Herr Hans Georg von Schönberg auf Wingendorf, Oberschönau, Börnichen und Haynichen.
- Herr Adam Friedrich von Schönberg auf Wingendorf. Diese hochadelige Familie hat hiesiges Rittergut bis 1718 im Besitz gehabt. – Erb-Lehn- und Gerichtsherren auf Wiese waren hierauf:
- Der Hochgeborene Graf und Herr, Herr Christoph Heinrich, des heil. Römischen Reiches Graf von Watzdorf, Sr. Königl. Majestät in Polen und Churfürstl. Durchl. zu Sachsen hochansehnl. Cabinets-Minister, Wirklicher Geheimder Rath, Ober-Steuer- und General-Accis-Direktor, Dom-Probst zu Budißin1, des polnischen weißen Adler-Ordens, auf Lichtenwalde, Croste, Wiese, Rodewitz und Birkenhayde von 1718—1729.
- Herr Christian Heinrich, Graf von Watzdorf, Königl. Polnischer und Churfürstl. Sächsischer Kammerherr, Hof- und Justitien-Rath, wählte Wiese zum Wohnort und war davon Besitzer von 1729 an.
- Im Jahre 1749 kam das hiesige Rittergut zur Churfürstl. Kammer und stand unter Administration bis 1764.
- Von solcher Zeit an bis 1771 waren davon Besitzerin Ihro Excelenz die verwitwete Frau Gräfin, Frau Henriette Sophie von Watzdorf, geb. Gräfin Vitzthum von Eckstädt, auf Lichtenwalde, Auerswalde.
- Die gegenwärtige Erb-Lehn und Gerichtsherrschaft von 1771 an sind der Hochgeborne Graf und Herr, Herr Georg Reinhard, Graf von Wallwitz, Excelenz, Sr. Königl. Majestät zu Sachsen hochbetrautester Conferenz-Minister, Geheimder Rath und Präsident des geheimen Finanz-Collegii, wie auch des Chur-Pfälzischen goldnen Löwen-Ordens-Ritter, Herr auf Schweikershayn, Schmorke, Wiese. Nach Hochderoselben Willen wurde den 11. Oktober 1793 dessen jüngstem Herrn Sohne, dem Hochgebornen Grafen und Herrn, Herrn Friedrich Sebastian, Grafen von Wallwitz, Sr. Königl. Majestät zu Sachsen hochbestallten Kammerherrn, Hof- und Justitien-Rath, von den hiesigen Unterthanen gehuldigt, wobei sich jedoch dessen Herr Vater das Recht der Gerichtsherrschaft vorbehalten.
Die Herren Gerichtsdirektoren,
soviel deren aufzufinden, sind folgende:
- Herr M. Klemm von 1535 an.
- Herr Joachim Berger von 1552—1566.
- Herr Thomas Görner von 1568 an.
- Herr Hans Zeidler von 1630—1662.
- Herr Benjamin Sommer von 1664—1674.
- Herr Christoph Hesemann von 1676 an.
- Herr Johann Albert John von 1678—1680.
- Herr Gottfried Klemm von 1687.
- Herr Heinrich Elerwein von 1690—1693.
- Herr J. Jacob Scheuereck, Bürgermeister zu St. Annaberg von 1695—1719.
- Herr J. Gottlob Richter, Stadt-Syndikus in Chemnitz von 1725—1748.
- Herr G. Melchior Gieße, Amtsverweser des Mühlenamtes Annaberg von 1748—1772.
- Herr S. Imm. Mathesius, Accis-Commisarius in Annaberg von 1772—1802.
- Herr Aug. Christ. Mathesius, Finanz-Prokurator und Rechts-Consulent von 1802 an.
Vom Wiesenbad.
Dieses liegt vom Dorf Wiese ½ Stunde abwärts gegen Morgen in einem Grunde, auf zweien Seiten mit Gehölz umgeben, so den Namen Rosenau führt, an der Straße nach Wolkenstein und an den Flüssen Zschopau und Biehl oder Pöla genannt, und gehört nebst dabei liegenden Vorwerk, Schäferei-Mühle und Feldern, welche ehedessen die Hausmännischen geheißen, zum Rittergute Wiese.

Das Badewasser ist wegen der innerlichen Wärme der Erde ziemlich heiß, im Hornung fast rauschend, im Sommer aber wegen der innerlichen Kälte nur laulich und wird, wie das Wolkensteiner, angewärmt. Den Quell faßt ein Bassin, so ziemlich groß und auf 5½ Ellen tief, mit starken Pfosten versetzt und mit zierlicher Ueberbauung und Bedachung versehen ist. Dieses Wasser quillt immer stark und sprudelt mit einem anmutigen Geschwärm von weißblaulichen Blasen auf, die Perlen gleichen helle und klar aus den Klüften eines schmalen Alaunganges. Merkwürdig ist es, daß dasselbe zu keiner Zeit weder ab- noch zunimmt, die Witterung mag trocken oder naß sein.
Der Bergarten, womit dieses Wasser beschwängert ist, sind dreie: Alaun, Kupfer und Schwefel, so aus der Farbe, dem Geschmack, Geruch und der Wärme des Wassers wahrzunehmen; doch hat der Alaun das Uebergewicht, weil er den Badenden die Haut aufzieht und manchem rote Flecken verursacht. Dieses Wasser, wenn es ordentlich und regelmäßig gebraucht wird, dient wider viele Leibesbeschwerungen und ist wegen seiner Wirkung für eine Arznei zu halten; darüber in Lehmanns erzgeb. Zuschauer S. 234 ff. nachzusehen, sowie auch Beschreibungen dieses Bades D. Johann Göbel lateinisch hat drucken lassen, welche Schrift D. Martin Pansa, Physikus in Annaberg, ins Deutsche übersetzt und L. Christian Friedrich Garmann, Physikus in Chemnitz, 1675 neu aufgelegt und vermehrt hat. Ein Traktätchen hiervon ist ferner zum Druck befördert worden von M. Arnold, Rektor in Annaberg.
Die Erfahrung hat bewiesen und beweist noch, daß besonders Personen, die mit Gicht, Krämpfen und Aussatz behaftet sind, nicht haben gehen können, sondern gefahren und getragen werden mußten, durch den Gebrauch dieses Bades sind gesund geworden. Eine Eigenschaft dieses Wassers ist auch diese, daß es in einem Jahr vor dem andern, nach Bemerkung der Aerzte und der Badenden, stärker und kräftiger ist.
Die Entdeckung desselben soll sich von einem armen Manne herschreiben, der seine ungesunden Schenkel in diesem Wasser gewaschen und heil worden. Als nach der Erbauung der Stadt Annaberg, deren Gründung 1496 anhebt, verschiedene kranke Personen von daher bei dieser Quelle sich eingefunden, so hat der damalige Besitzer, Herr Hans Friedrich, 1501 den Brunnen viereckig einfassen, ein besonderes Badehaus 60 Schuhe lang und 40 breit zuerst aufrichten, zum Gebrauch der Badegäste as Wasser in einer Pfanne wärmen und dazu eine kleine Kapelle zwischen dem heiligen Hayn und Plattenwald bauen lassen. Diese Kapelle ist von Herzog Georg mit Geschenken reichlich beehrt und vom Bischof zu Meißen 1505 eingeweiht worden, auch auf Bestätigung des Papstes und der Bischöfe, wie solches zur selben Zeit hochgehalten wurde, ein Priester verordnet gewesen, der mit den Badeleuten dahin besonders Kranke und Sieche wallfahrten, Morgens und Abends und ehe sie ins Bad gegangen, beten, Messe lesen und also um Gedeihen des Wassers Gott anrufen sollte.
Im Jahre 1602 hat die Churfürstl. Frau Wittwe Sophia das Fürstenhaus, 3 Stockwerke hoch, so aus 5 großen Stuben und mehreren Kammern besteht, mit Sälen, Gewölben und Bequemlichkeiten versehen ist, durch einen Gang in das kleinere Badehaus führt, für sich zum Gebrauch erbauen lassen. Dieses kleinere Badehaus enthält nebst einer Pfanne, worinnen das Wasser angewärmt wird, 6 Badestuben, wo in jeder 2—3 Wannen gestellt werden, dabei Oefen angebracht sind, daß auch bei rauher Witterung kann gebadet werden.
Zu Ende des 16ten Jahrhunderts ließ der hochadelige Besitzer, Herr Adam Friedrich von Schönberg und Wingendorf, das alte Gebäude bis aufs Fürsten- und kleinere Badehaus abtragen und zu mehrerer Bequemlichkeit der Badenden das gewärtige Gebäude aufführen.

Das Seitengebäude im Rücken an der Wiese liegend, besteht aus 19 Stuben, welche 2 Stockwerke einnehmen, und ebensoviel Kammern, indem jede Stube mit einer Kammer versehen ist, eine bequeme Küche und Herd. Bei dem Eingang eröffnet sich ein Saal, wo die Badegäste Zusammenkünfte halten und deswegen die Börse genannt wird. Unter den Stuben und Kammern sind im niederen Stockwerk die Badestuben, deren 14 gezählt werden, auf 2 Seiten nebst einem bequemen Gange durchs ganze Gebäude unter gewölbten Decken angelegt und dabei ein Ofen und große Pfanne befindlich, in welcher das Badewasser angewärmt wird.
Gegenüber steht ein ähnliches Gebäude, das Wirtshaus, in welchem verschiedene Stuben vorhanden, mit einem zierlichen Turm, Glocke und Uhrwerk versehen ist und große Küche, Herd, Gewölbe und Keller enthält. Neben diesen beiden Gebäuden steht vorwärts an der Straße ein drittes, in welchem der Bademann wohnt, unter dessen Stube Ställe und freie Plätze befindlich.
Zum Vergnügen der Badegäste ist seitwärts dem Wirtshaus eine Vogelstange aufgerichtet, darneben Lusthäuser aufgestellt, ein freier Platz zum Scheibenschießen aptirt, Kegelbahnen angelegt und einladende Spaziergänge durch Wiesen, Auen und Waldung, neben verschiedenen Ruheplätzen von romantischen Aussichten vorhanden.
- Bautzen. ↩︎