Opfer des Winters.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 12 — Sonntag, den 17. März 1929. S. 3

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Ein Opfer des Winters.

Unser Bild auf der 1. Seite (unten) des „Erzgebirgischen Heimatblattes“ zeigt das traurige Schicksal, welches unser Wild im Winterwald jetzt erleiden muß. Die Aufnahme ist an der Staatsstraße kurz vor dem Ort Kretscham-Rothensehma gemacht worden. Ein schwaches, hungerndes Reh erblickte bei der dort liegenden Sandgrube ein Paar Hälmlein, die aus dem Schnee hervorlugten. Es wollte danach springen, kam aber in der Sandgrube zu Fall und verendete dort. Der Feldpächter, Herr Max Bräuer aus Kretscham, den wir auf unserem Bilde sehen, sowie einige Neudorfer Einwohner, Herr Süß, der Straßenwärter Herr Schuster mit seinem Sohn, fanden das Reh verendet, so, wie wir es auf dem Bilde sehen. — Revierförster erzählen, daß draußen auf den Futterplätzen manches Reh unter der Raufe liegend vollkommen entkräftet und erschöpft gefunden würde. Die Tiere sind nicht imstande, sich wieder zu erheben und stoßen nur einige ängstliche Rufe aus, wenn man sich ihnen nähert. — Eine große Gefahr sind zu aller dieser Not die wildernden Hunde, die noch manches Stück Wild zu Tod hetzen. Wir richten deshalb auch hier erneut die Bitte an alle Hundebesitzer, die sonst gewiß sehr braven Hausgenossen jetzt einmal an die Kette oder hinter Schloß und Riegel zu legen. Denkt an die Not des Wildes im verschneiten Winterwald!