Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 10. – Sonntag, den 3. März 1929. S. 1.
Die Not des Wildes während des strengen diesjährigen Winters haben wir in unserer Tageszeitung wiederholt eingehend besprochen. Unsere Jäger lieben das Wild der erzgebirgischen Wälder und ziehen, wie unser Bild zeigt, immer wieder und wieder zu Wildfütterung aus. Rehe und Häslein harren schon an den Futterplätzen. Die Not hat sie so zahm und zutraulich gemacht, daß sie nicht mehr vor den Menschen flüchtig werden. Im Oberwiesenthaler Wald fütterte da kürzlich auf der Waldstraße ein Fuhrmann seine Pferde. Als er ein Bündel Heu ausstreute, siehe, da trat aus dem Walde ein stattlicher Hirsch, gesellte sich zu den Pferden und stillte seinen Hunger. „Hunger tut weh!“ Unser Wild in den Wäldern und auf den Feldern hat das in diesem eiskalten, rauhen Winter mehr denn je erfahren müssen. Solche Not zu lindern, ist auch eine Christenpflicht, die unsere Jäger und Waldleute jetzt ausüben.
