Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 8. – Sonntag, den 17. Februar 1929. S. 1 — 2.

Seit Jahren hat im oberen Erzgebirge kein derartiger Wintersportbetrieb stattgefunden, wie heuer. Seit dem 15. November 1928 sind Ski und Rodel so gut wie nicht zur Ruhe gekommen. Dem Erzgebirgler lacht das Herz ob solcher Witterung; denn für ihn ist ein Winter ohne Sportbetrieb überhaupt keiner. Es ist fast so, wie man in der Ebene sagt, daß der Gebirgler mit seinen „Hölzern“ auf die Welt kommt. Freilich dieser Sport ist nicht etwa schon seit vielen Jahrzehnten das Allgemeingut unserer Bevölkerung geworden. Nein, knapp vier Jahrzehnte sind es wohl etwa her, seit Norweger in unsere Gebirgsgegend auf Skiern kamen. Das war in Oberwiesenthal. Einige wenige hatten damals an dem Schneeschuhlauf der Ausländer ihr Gefallen und ließen sich von Skandinavien her „Bretter“ kommen. Bald beherrschten sie dieselben und immer größer wurde allmählich die Sportgemeinde derer, die auf dem Ski schworen.

Er wurde aber nicht nur als Sportmittel verwendet, sondern gerade damals, als die Schmalspurbahnen im Erzgebirge noch fehlten und man das Auto noch nicht kannte, waren die Langhölzer just das gewünschte Verkehrsmittel. Immer mehr bürgerte sich dieses ein. Es entstanden Vereinigungen, die den Wintersport förderten, sowie Wett- und Sprungläufe veranstalteten. Da nun das Erzgebirge teilweise geradezu ideales Gelände für diese Sportart aufwies, drang sein Ruf weithin ins Land hinaus, ja bis ins Ausland. Das obere Erzgebirge wurde, und speziell das Fichtelberggebiet, zu größeren und größten Veranstaltungen des Deutschen und Sächsischen Skiverbandes benutzt. Große Sportfeste beider Vereinigungen fanden hier statt und Tausende und Abertausende von Fremden kamen herbei, um Zuschauer der sportlichen Kämpfe zu sein. Mit diesem Sportbetrieb hob sich sehr schnell auch das Verkehrsleben im oberen Erzgebirge. Zahlreiche moderne Hotels entstanden, nachdem zuvor die Schmalspurbahn Cranzahl—Oberwiesenthal gebaut war. Der Erzgebirgsverein nahm sich ebenfalls der Förderung des Wintersportes an. In seinem Dienst standen dann auch die dem Verein gehörigen neuen Berggasthäuser, die heute den verwöhntesten Ansprüchen gerecht werden. Daß auch Industrie, Handel und Gewerbe durch den Sport gewannen und viele so Lohn und Brot durch ihn erhielten, bedarf keiner besonderen Erwähnung.

Auch die Mode nahm sich des Sportes an. Man vergleiche die Sporttrachten von einst und jetzt. Welch buntes interessantes Bild entfaltet sich, wenn man einem Sportfest bei uns beiwohnt. Auch daß das weibliche Geschlecht behost heute den Wintersport betreibt, ist eine neue Errungenschaft der Damenwelt, die in diesem Falle allerdings sehr angebracht ist. Die kleinsten Knirpse werden bei uns Gebirglern schon zum Skilauf angehalten und in ihm ausgebildet, nachdem sie vorher schon Jahre hindurch auf ihrer Käsehitsche oder dem Rodelschlitten mit lautem „Bahne“ zu Tal gesaust sind. Und sind es nur ein Paar Faßdauben, die werden untergeschnallt und bilden das Vorstudium für den künftigen Skispringer, der dann mit Kühnheit seinen Sport betreibt. Wie verwachsen sind schon Jungens und Mädels bei uns mit ihren Schneeschuhen und wie leuchten die Augen, wenn sie auf ihnen über den weißen Teppich hingleiten, den der König Winter in zauberischer Schöne ringsum ausgebreitet hat. Das ist das andere Genießen bei diesem weißen Sport! Welch wundervolle Bilder gleiten bei seiner Ausübung auf allen Seiten vorüber. Wie der Schimmer von Millionen von Kristallen glänzt und flimmert es, wenn rings die Sonne auf beschneite Wälder und Felder, Wege und Stege scheint. Dort drüben wieder all die wunderlichen Gestalten in die die Fichten der Haine durch ihre Schneepelze gekleidet sind.

Bald Mensch, bald Tier grüßen sie herüber, wie Zaubermärchenfiguren. Und wenn dann abends und nachts der Mond auf dieses Winterreich herniederscheint, sein fahles Licht ergießt, dann möchte man die „Bretter“ kaum abschnallen, so einzig schön sind alle diese Erscheinungen der Natur. Nicht zu reden erst von dem großen gesundheitlichen Wert des Wintersportes, der längst auch von den Aerzten als starker Heilfaktor anerkannt worden ist. Ja, zieht hinaus, Ihr mit den blassen Wangen und den müden Augen, Ihr mit der gebeugten Gestalt in der Jugend schon, die Ihr nach kurzem Spaziergang bereits ermüdet seid. Der Doktor Winter wird Euch das Blut schneller durch die Adern jagen und die Augen licht und glänzend werden lassen. Ja, der Winter wird Euch gesunden lassen und neue Lebensfreude in Euch erwecken. Und besonders jetzt nach Krieg und Umschwung ist dieser Sport von außerordentlichem Wert gerade für uns Deutsche, die wir keinen allgemeinen Heeresdienst mehr kennen und dadurch einen hochwertigen Faktor körperlicher Ausbildung ausgeschaltet sehen. Darum greift zu den Skiern, all Ihr Jungen und Ihr Männer und Frauen, auf daß am Wintersport unser deutsches Volk mit erstarke zu neuem, kraftvollem Sichregen. Die Großstadt auch bietet entweder selbst oder durch gehobene Verkehrsgelegenheiten jetzt vielerlei Antrieb zu sportlicher Betätigung. Skikurse werden ebenfalls allenthalben abgehalten und die Eltern sollten es ihren Kindern zur Pflicht machen, wie am Turnen, so auch an diesem Sportbetrieb planmäßig teilzunehmen. Der Segen wird bei keinem ausbleiben. Selbstverständlich ist die entsprechende Kleidung eine Hauptbedingung bei alledem. Auch die Einrichtung des „Wochenend“, speziell in den größeren Städten der Ebene, hat die Teilnahme am Wintersport erheblich gesteigert und wird dieselbe auch weiter unbedingt fördern. — Die Presse hat sich gleichfalls mehr und mehr in den Dienst des Sportes gestellt und fördert ihn begeistert in Wort und Bild. Diesem Gedanken dient auch die heutige Nummer der „E. H.“ unseres Blattes. Unsere Leser werden in ihr an der Hand verschiedenster Bilder aus bekannten Sportstätten des oberen Erzgebirges zu diesen hingeleitet. Da sehen wir zunächst die Willyschanze am Bärenstein, jene große Sportstätte, an der unlängst namhafte Kämpfe bekanntester deutscher Sportsmänner zum Austrag gelangten, die samt und sonders über das Gelände im Erzgebirge sich anerkennend aussprachen. Die „O. Z.“ hat eingehend über die Ereignisse berichtet; ein weiteres steht noch im Februar bevor, und zwar mit den großen Städtewettkämpfen. Dann das prächtige winterliche Sportbild von Buchholz, aufgenommen auf der Schneeberger Straße am Buchholzer Stadtwald. Bei dem unlängst hier abgehaltenen Sportfest des Arbeiterturnvereins wurde, wie gemeldet, auch ein Skijöring hinter Motorrädern abgehalten.

Das betreffende Bild zeigt uns Teilnehmer dieser neuen Sportart. Nach Oberwiesenthal ferner führt unser Artikel, hin zu der idealen Eissportbahn, die auch am vergangenen Sonntag bei dem enormen Sportbetrieb der Turner am Fuße des Fichtelberges allgemein bewundert wurde. Am morgigen Sonntag wird dort oben in der höchstgelegenen Stadt Deutschlands ein großes Stahlhelm-Wintertreffen stattfinden. Von der Herrlichkeit der Winterlandschaft im Fichtelberggebiet sind in der „O. Z.“ unzählige Male schon die prächtigsten Bilder veröffentlicht worden. Immer wieder aber kann man sich nicht satt sehen an dem Zauber, den der König Winter hier oben im Gebirge und speziell auch in Wäldern und Feldern rings um den Fichtelberg hervorruft. Auch diesem Artikel haben wir darum eine solche Aufnahme beigefügt. Sie zeigt das tiefverschneit daliegende Oberwiesenthal mit dem böhmischen Stolzenhain im Hintergrund. Aber auch von dem großen Sprunghügel in Oberwiesenthal bringen wir mit diesen Zeilen eine Aufnahme, und zwar eine solche, die bei vollem Sportbetrieb gemacht worden ist. Welch kühne, glänzende Sprünge sind dort schon ausgeführt worden. Meisterhaftes wurde hier vollbracht bei kleineren und bei großen Sprungläufen. All das zeigte und zeigt, zu welcher Höhe der Entwicklung der Skisport bei uns in Deutschland gelangt ist. — Und nun, Jugend, Männer und Frauen, auf zum gesundheitbringenden Skisport! Ski Heil!