Geburtstagsfeier eines E.-V.-Förderers auf dem Keilberg.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 46. — Sonntag, den 9. November 1930, S. 4.

Kopie
Das alte Keilberg-Unterkunftshaus.

Der Erzgebirgsverein St. Joachimsthal feierte am Sonntag, dem 14. September, den fünfundsiebzigsten Geburtstag seines Obmanns und Ehrenmitgliedes Herrn Bezirksschulinspektors i. R. Anton Müller im Keilberghause und gedachte der Lebensarbeit des Jubilars. Es sollte eine schlichte, interne Feier sein und wurde eine machtvolle Kundgebung, denn viele Hunderte seiner Freunde und Verehrer aus nah und fern waren erschienen, dem Förderer der Heimat, dem wahren Volks- und pflichtbewußten Schulmanne zu seinem fünfundsiebzigsten Wiegenfeste in aufrichtiger Bewunderung und Dankbarkeit die Hand zu drücken, ein schönes Wort zu sagen und ihm Glück- und Segenswünsche zu übermitteln. Es war ein freudig bewegter Augenblick, als Inspektor Anton Müller, von allen Seiten herzlichst begrüßt, umgeben von seinen Angehörigen und intimsten Freunden durch das von Ausschußmitgliedern des E.V. gebildete Spalier schritt, geleitet von den Herren Präsidenten Sobitschka-Wiesenhag, Rat Vinzenz Beier und Keilbergwirt Edmund Wohlrab. Längs der Fensterreihe des Müllersaales war die Ehrentafel gerichtet, in der Mitte der Ehrensitz unter dem mit Tannenreis geschmückten Bilde des Jubilars und anschließend hatten seine liebwerten Familienangehörigen, seine Freunde und in weiterer Folge die Spitzen der Erzgebirgs- und Wandervereine sowie die Vertreter der Körperschaften und Aemter Platz genommen und in den weiten Saalräumen, in dem breiten Hauptgange standen eng aneinander die Tische, saßen dicht gedrängt die Gratulanten, bemüht, einen Blick zu der reich mit Blumen geschmückten Festtafel, besonders zu dem Jubilar frei zu bekommen, vor dem sich die prächtigsten Rosen in kunstvoll gebundenen Sträußern türmten. Nach einem von der Weihe der Stunde getragenen Musikstücke, der rauschenden Polonaise von Chopin, eröffnete der Obmannstellvertreter des E.V. Joachimsthal, Herr Bezirksschulinspektor August Stepan, die Festversammlung, indem er dem Jubilar und den vielen Erschienenen herzlichen Willkommensgruß entbot, und in herzbewegten Worten Inspektor Anton Müller zu seinem 75. Geburtstage feierte. Er verwies auf die vom E.V. vorbereitete Ehrengabe: „Anton Müller, ein kurzes Gedenken zu seinem 75. Geburtstage“, welche vom Herausgeber, Herrn Dr. Heribert Sturm, dem Gefeierten mit wunderbar durchdachten Worten überreicht wurde, die in dem Geleitworte fußten: „In uns lebt die Heimat!“ Dieses buchtechnisch gut ausgestattete Werk, dem das Porträt und 10 hervorragende Bilder beigegeben sind, umschreibt das Leben und Wirken Anton Müllers als Schulmann, als Obmann des E.V. und damit als Förderer des Erzgebirges, als Bürger und seine Tätigkeit im Vereinsleben Joachimsthals. – Dieses Werkchen wird eine gesuchte Erinnerung für alle jene sein, welche dieses erhebende Geburtstagsfest Anton Müllers auf dem Keilberge miterleben konnten. – Sichtlich gerührt und überrascht dankte der Gefeierte für so viel Liebe, Treue und Anerkennung seiner Anhänger anläßlich seines Jubelfests. An diese schlichte, aber äußerst eindrucksvolle Feier des E.V. schlossen sich die zahlreichen Glückwunschreden der Vertreter verschiedener Behörden und zahlreicher Vereine.