Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 33 – Sonntag, den 10. August 1930, S. 1 – 2.
Unter Einsatz aller Kräfte wurde der Bau der Zentralschule gefördert und vollendet, so daß sie zur Freude aller Einwohner in diesen Tagen geweiht werden kann. In der Mitte des Ortes erhebt sich der schmucke Bau. Mit imposanter Front schaut er hinein ins Böhmerland, ein Denkmal deutschen Kulturwillens, eine Pflegstätte unserer Jugend und eine Zierde unseres Ortes.

Bereits vor dem Kriege tauchte der Plan auf, eine Zentralschule zu errichten, doch das große Geschehen vereitelte das Unternehmen. Doch schon 1919 wurde diese Frage erneut angeschnitten, und der Bau wäre zustande gekommen, wenn der damalige Vorsitzende des Schulausschusses, Herr Petzold, nicht plötzlich gestorben wäre. In den Inflationsjahren konnte an die Ausführung des Vorhabens nicht gedacht werden; indes die Gemeindevertretung ließ das Projekt nicht aus den Augen. Weitschauend suchte sie durch Geländeankauf bez. -tausch die Grundlage zu schaffen. Inzwischen war auch die Platzfrage gelöst worden. Das Gemeindeverordneten-Kollegium trat dann 1925 ernstlich an die Frage heran. Es wurden die vorläufigen Pläne und Gesuche um Staatsbeihilfen eingereicht, die zunächst aber mangels verfügbarer Mittel abgelehnt wurden. Endlich bot sich im Jahre 1927 eine günstige Gelegenheit. Das Reich stellte für die Grenzgebiete namhafte Summen bereit. Diesmal waren die eingereichten Gesuche von Erfolg gekrönt. Es wurden 200.000 RM. als Beihilfe gewährt, wozu noch ein Staatsdarlehen in Höhe von 100.000 RM. zu einem mäßigen Zinssatz kam.
Es wurden neue Pläne eingeholt, und mit der Ausführung konnte Herr Architekt Emil Ebert-Chemnitz beauftragt werden. Im Herbst 1927 wurde der Bau nach Genehmigung begonnen. Nun begann ein emsiges Schaffen. Unter Leitung des ausführenden Baumeisters, Herrn Albin Aurich, schritt der Bau überraschend schnell vorwärts. Im Laufe des Jahres 1928 war er soweit vorgeschritten, daß das Richtfest in einfacher, würdiger Weise begangen werden konnte. Leider mußte aber kurze Zeit darauf der Bau eingestellt werden; denn die vorhandenen Geldmittel waren vollständig aufgebraucht. Doch den unermüdlichen Bemühungen der Gemeindevertretung, insbesondere des Herrn Bürgermeisters Preuße, war es zu danken, daß der Bau fortgeführt werden konnte, da im September 1929 das Ministerium für Volksbildung weitere Mittel in Aussicht stellte. So konnte man schon im Frühjahr mit Bestimmtheit darauf rechnen, nach den großen Ferien die Schule ihrer Bestimmung zu übergeben.
Nun ist der Tag der Schulweihe gekommen. Es gilt, Abschied zu nehmen von den lieben alten Schulstätten und Einzug zu halten in der schmucken neuen Schule. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird am 10. und 11. August ein Schul- und Heimatsfest abgehalten; an diesen Tagen feiert der Ort sein 400jähriges Bestehen. Nach allen Seiten hin sind die Einladungen an die Ortskinder, die in der Fremde weilen, ergangen, und freudig und gern haben sie dem Rufe der Heimat Folge geleistet, um liebe alte Erinnerungen aus Kindheit und Schulzeit aufzufrischen.
Das Gebäude paßt sich in seiner schlichten Linienführung dem Landschaftsbild an. Abseits von der Verkehrsstraße liegend, ist es weder dem Straßenlärm noch dem Staub ausgesetzt. Der Außenputz ist in Mattgrau gehalten; die weiß mit Rot abgesetzten Fenster verleihen dem Ganzen ein freundliches Aussehen. Der Haupteingang wird von 3 Spitzenbogen gebildet. Auf dem Hauptgebäude erhebt sich in der Mitte das Uhrtürmchen und fügt sich in den Rahmen der erzgebirgischen Bauweise ein. Nach der Südseite schließt sich an das Hauptgebäude die geräumige Turnhalle.
Bei Besichtigung des Gebäudes zeigt sich folgendes Bild: Untergeschoß. Ueber eine Treppe gelangt man durch das Portal in den Haupteingang mit Vorhalle. Links befindet sich die Wohnung des Schulhausmanns. Rechts die Räume der Berufsschule, Zeichen- und Handarbeitssaal, Kochküche, in der die modernen Kochherde eingebaut sind. Hieran schließt sich die Plättstube, gegenüber ein Werkraum für Knaben und eine Lehrwaschküche. Auch auf der anderen Seite befindet sich ein Werkraum. Es folgt das Brausebad mit 12 Duschen, daneben zwei Ankleideräume. Vom Hauptgebäude gelangt man nach Süden zu in den Singsaal, der sich unmittelbar galerieartig an die Turnhalle anschließt. Letztere macht einen imponierenden Eindruck. Der große mächtige Saal mit geräumiger Bühne dürfte turnerischen und athletischen Veranstaltungen vollauf entsprechen. Ein besonderer Vorzug ist es, daß das Lokal durch besondere Vorrichtungen als Zuschauerraum bez. Galerie benutzt werden kann. Ferner sind im Erdgeschoß untergebracht: 5 Lehrzimmer für die Volksschule, 2 Klassen für die Berufsschule, 1 Nähsaal, sodann 1 Lehrmittelzimmer, 1 Büchereizimmer und 1 Zimmer für den Leiter der Berufsschule. Im Obergeschoß befinden sich 5 Klassenzimmer, 1 Zeichensaal, Physikzimmer, 1 Zimmer für den Schularzt, 1 Zimmer für den Schulleiter, 1 zum Zeichensaal gehöriges Modellzimmer. In sämtlichen Geschossen befinden sich auf der Nordseite die hygienisch einwandfreien Abortanlagen. Im ganzen Gebäude sind weitverzweigte Beleuchtungsanlagen, Wasserleitungen auf allen Gängen und in der Küche, ferner Trink- und Waschgelegenheiten im ganzen Gebäude zahlreich vorhanden. Zu beiden Seiten der Gänge befinden sich Nischen, in denen Haken und Ständer für die Bekleidung angebracht sind. Im Kellergeschoß befinden sich die Kellerräume des Schulhausmanns, das Kesselhaus mit Heizungsanlagen, Kleiderablagen, Geräteräume und ein größerer Raum, in dem die Fahrräder der Schüler und Schülerrinnen aufbewahrt werden können. Fieberhaft hat man geschafft, um auch die Inneneinrichtung bis zum Weihetag fertigzustellen, und alle Hände haben eifrig gestrebt, dieses Ziel zu erreichen.
Großes und Ideales wurde durch dieses Werk geschafft, allem ist Rechnung getragen worden, soweit es die finanzielle Lage gestattete. In den hohen, sonnigen Räumen soll nun ein neues Geschlecht heranwachsen zum Wohle unseres Ortes und unserer Heimat. Mög es sich das nötige Rüstzeug für sein ferneres Leben holen. Möge die künftige Zentralschule alle Erwartungen erfüllen, die an sie gestellt werden. Damit sei sie uns ein Zeichen des Aufbaues im doppelten Sinne. Glückauf!