Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 29. – Sonntag, den 13. Juli 1930. S. 1.

Ein seltenes Jubiläum war dasjenige, das vor einer Woche die Schulgemeinde Walthersdorf begehen konnte. Dort feierte man, wie gemeldet, in einem ungemein stark besuchten Festabend in der „Reichskrone“ das 200jährige Bestehen der Schule. Vor zwei Jahrhunderten besaß die Gemeinde noch keine eigene Lehranstalt. Die Walthersdorfer Kinder waren in Schlettau eingeschult und mußten bei Wind und Wetter zu allen Jahreszeiten dorthin wandern, um sich das Rüstzeug fürs Leben auf schulischem Gebiet zu holen. Freilich, so schlimm wie dieser Schulgang manchmal wohl auch gewesen sein mag, man wird ihn doch anders betrachten, wenn man daran denkt, daß damals keineswegs etwa täglich Unterricht war, sondern zu gewissen Jahreszeiten sogar nur einmal in der Woche. Immerhin war man in der Gemeinde froh, als diese sich endlich eine eigene Schule mit eigener Lehrkraft halten konnte. Die „O. Z.“ hat darüber eingehend berichtet, wie diese Lehrstätte zuerst in einem mietweise aufgebrachten Hause untergebracht war, wie dann ein zweites Privathaus erworben ward und man schließlich daran ging, die heute prächtige Schule zu bauen. Auch über den Verlauf der 200 Jahrfeier, der dann am nächsten Tag das große allgemeine Schulfest folgte, das sich fast zu einem Heimatfest ausgestaltete, hat die „O. Z.“ eingehend referiert. Für die Nachwelt haben wir auch außerdem einige Gruppen des prachtvollen Festzuges vom Sonntag im Bilde festgehalten. Wir sehen beistehend von diesem zwei herrliche Wagen, den einen, auf dem der Leser die frisch-fröhliche Schulkinderwelt erblickt, und der andere bergmännischen Charakters. Wie sie, so war der ganze andere Festzug trefflich ausgestattet. Besonders gefiel auch, wie berichtet, der Wagen mit dem riesigen Klöppelsack, dessen Vorderseite das Denkmal der Barbara Uthmann krönte. Dann wieder „Karl Stülpner mit seinen Genossen“, die „Hutzenstube“, der „Heilige Ohmd“, und viele andere lebensecht ausgestattete Wagen. Auf dem Festplatz löste sich der Zug auf und Herr Bürgermeister Meyer begrüßte alle.