Feuerschutz und Freiwillige Feuerwehr.

Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 19 – Sonntag, den 4. Mai 1930, S. 4

Die Veranstaltung der Feuerschutzwoche und die in Verbindung damit bekanntgegebenen Statistiken lassen erkennen, welche ungeheueren Werte jährlich der Macht des Feuers zum Opfer fallen, und wie dringend es not tut, für ausreichenden Feuerschutz allerorts Sorge tragen zu müssen. In einer Zeit tiefster wirtschaftlicher Not muß mit Schrecken festgestellt werden, daß jährlich fast eine halbe Milliarde Mark an Sachwerten dem Volksvermögen durch Brandschäden verlorengehen. Wie wenig heute unter den obwaltenden Verhältnissen die Versicherungen den Brandgeschädigten beim Wiederaufbau ihres Anwesens ausreichenden Schadenersatz zu leisten vermögen, ist zur Genüge bekannt. Aber nicht allein der große Verlust an Sachwerten, sondern auch die recht bedauerlichen Opfer an Menschenleben, die jährlich durch Brandschäden zu verzeichnen sind (im Jahre 1929 kamen 1400 Menschen durch Brandunglücke ums Leben), ermahnen dringend: Helft Feuer verhüten! Zahlen und Statistiken lassen also deutlich erkennen, welche Aufgaben einer Feuerwehr zufallen, und welche Verantwortung, welch großes Pflichtbewußtsein sie im Dienste des Nächsten zu übernehmen hat. Eine ernste Aufgabe ist es für die freiwilligen Feuerwehren, durch Fleiß und gute Schulung, Tatkraft und Entschlossenheit einen sicheren Feuerschutz zu gewähren. In rechter Erkenntnis dieser Aufgaben haben auch zu jeder Zeit die städtischen Behörden den freiwilligen Feuerwehren vollstes Vertrauen und trotz der schweren wirtschaftlichen Verhältnisse größere finanzielle Unterstützungen zuteil werden lassen. Diese ermöglichten besonders in den letzten Jahren die Anschaffung von technischen Neuerungen, und es wurde dadurch der Aufbau und die Schlagkraft der freiwilligen Feuerwehren, den Berufsfeuerwehren um ein Wesentliches näher gebracht. Die Einrichtung von Alarmanlagen, Beschaffung von Motorspritzen, modernen Rauchschutzmasken usw. geben heute die Gewähr, die Feuerwehrmannschaften zu rascher und sicherer Hilfeleistung heranzuziehen und den Hauptfaktor einer Feuerwehr, schnellstes Eingreifen bei Ausbruch eines Brandes, zu verwirklichen. Zu wünschen wäre es nur, daß in den Kreisen der feuerwehrpflichtigen jungen Leute ein größeres Interesse für die freiwilligen Feuerwehren vorhanden wäre und der Zugang zu den Wehren ein wesentlich besserer würde. Freiwilliger Feuerwehrdienst ist noch heute Ehrensache und getreu den Traditionen unserer alten Feuerwehrkameraden möchten sich auch künftighin neue Mannschaften in großer Zahl in ernstem Pflichtbewußtsein, freiwilliger Disziplin und guter Kameradschaftlichkeit in den Reihen der freiwilligen Feuerwehren zusammenfinden.

Kopie
Die Alarmmannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Buchholz mit der Motorspritze.
Photo v. W. Weißgärber-Buchholz.

Die freiwillige Feuerwehr von Buchholz besteht zurzeit aus rund 130 Mannschaften und ist in 7 Zügen eingeteilt. Bei Ausbruch eines Brandes ist sofort die Polizeiwache Telefon 2051 anzurufen. Bei kleineren Bränden rückt zunächst nur die Alarmmannschaft aus, die mit Motorspritze, Rauchmasken und sonstigen Geräten binnen wenigen Minuten nach Alarmierung am Brandplatze eintrifft. Die wiederholt erfolgten Alarmierungen haben erwiesen, daß nur durch schnelles Eingreifen der Feuerwehr größerer Brandschaden verhütet werden konnte. Geschäftshäuser, Betriebe, und überall dort, wo die Feuersgefahr besonders groß ist, möchten eingehend darauf hingewiesen werden, im dringenden Falle unverzüglich die obige Alarmierungsstelle anzurufen.

Kurt Fischer, Freiwillige Feuerwehr Buchholz.