Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 19 – Sonntag, den 4. Mai 1930, S. 1
Dank dem bisherigen Führer!
„Unser allverehrter Oberlehrer R. Wünsche, eine auch über Buchholz‘ Mauern weithin bekannte Persönlichkeit, der 3 Jahrzehnte hindurch in vorbildlicher Weise an der Spitze des Obererzgebirgischen Sängerbundes stand, fühlte sich aus Rücksicht auf seine Gesundheit veranlaßt, das ihm liebgewordene Amt niederzulegen. Schweren Herzens ließ der letzte Sängertag seinen erfolgreichen Führer ziehen. Warme Dankesworte brachten die Wertschätzung und Verehrung des Bundes zum Ausdruck. Auf Vorschlag des Vorstandes ernannte der Sängertag ihn, sein bisheriges Ehrenmitglied, zum Ehrenvorsitzenden. Als sichtbares Zeichen der unauslöschlichen Dankbarkeit und Treue wurde ihm eine silberne Plakette überreicht.

bisheriger 1. Vorsitzender ddes O. S.-B.,
jetziger Ehrenvorsitzender.
Als im Jahre 1900 durch den Tod Röders Oberlehrer Walther-Schlettau Bundesvorsteher wurde, übertrug man Wünsche den Posten eines Stellvertreters. 1903 rückte er dann schon in die Führerstellung ein. So hat er 3 Jahrzehnte das Schiff des O. S.-B. geleitet. Er zeigte sich als ein Mann zielbewußten Strebens, voll unermüdlicher Tatkraft, voll jugendlicher Begeisterung, voll warmen Verständnisses. Mit starker Hand nahm er das Steuer, aufwärts und vorwärts war sein Wahlspruch. Ihm ist der große Wurf gelungen. Der Bund hat unter seiner besonnenen Leitung einen großartigen Aufschwung genommen. Von 1903 bis 1914, dem Jahre des goldenen Bundesjubiläums, hat sich die Zahl der Vereine und Mitglieder fast verdoppelt, einige 60 Vereine, 1920 zählte der Bund 76 Vereine, 1925 89 Vereine und heute 101 Vereine mit über 3200 aktiven Mitgliedern. Diese Zahlen sind ein beispielloser Erfolg Wünsche‘s. Dank Dir, Du wackerer Führer!
Heil dem neuen Führer!
Vertrauensvoll wählte der Sängertag den vom Vorstand vorgeschlagenen Gruppenobmann der Ostgruppe, Herrn Lehrer Kurt Mitte-Buchholz. Mit dem Wahlspruch: „Am guten Alten in Treue halten, am schönen Neuen sich erfreuen!“ übernahm er tiefergriffen sein Amt. Begeisterter Beifall des gefüllten Saales begrüßte den neuen Bundesführer.

der neue Vorsitzende des O. S.-B.
Als junger 33jähriger, sangesbegeisterter Leiter übernimmt er, wie einst Wünsche, den Bund. Er ist als Redner schon hinlänglich bekannt und geschätzt, und seine Repräsentationspflichten zum vorjährigen Sängerfest erhärteten den Gedanken: Das ist der kommende Mann. Auch organisatorisch hat er sich schon hervorragend betätigt. 1924 trat er an die Spitze der vereinigten Männergesangvereine „Harmonie“ und „Liederkranz“ zu Buchholz, dem jetzigen Buchholzer „Männerchor“, und 1925 wurde er Führer der Ostgruppe. Und nun, Bundesvorsitzender! Glückauf zur fröhlichen Fahrt!
Die „O. Z.“ hat über diesen Führerwechsel bereits unlängst berichtet und bringt heute dem bisherigen 1. Vorsitzenden des Bundes auch ihrerseits ein herzliches „Habe Dank“ für all das dar, was er in seiner Stellung als Bundesleiter nicht nur seiner Organisation, sondern auch unserem Volke dadurch gewesen ist, daß er einer der treuesten Hüter des deutschen Liedes war. Und wie wir so dem seitherigen Bundesführer Dank und Anerkennung ausdrücken, so grüßen wir in vollem Vertrauen auch seinen Nachfolger, Herrn Lehrer Kurt Mitte, dessen Eignung für seinen verantwortungsvollen neuen Posten wir unter anderem auch aus seiner Führerschaft in der Ostgruppe des Bundes und im „Männerchor“ entnehmen.