Eine Botschaft „Anton Günthers“ an die Erzgebirgsjugend
Erzgebirgische Heimatblätter. Beilage der Obererzgebirgischen Zeitung. Nr. 16 – Sonntag, den 13. April 1930, S. 1
Wenn morgen von allen Kirchen unserer erzgebirgischen Ortschaften die Palmensonntagsglocken über das Land klingen, dann wollen wir unserer erzgebirgischen Jugend an dieser Stelle ein ernstes Wort mit auf den Weg geben. Und zwar tun wir dies getreu der Art und dem Charakter unserer „Erzgebirgischen Heimatblätter“, nach einem Wahlspruch Anton Günthers: „A Mensch uhne Glaub‘n is a drbarmlicher Wicht, dar kimmt mir bal‘ vir wie ena Latärr uhne Licht!“ Das klingt aus dem Mund unseres Heimatdichters so schlicht und recht, wie wir‘s eben von dem Manne da droben an der Grenze nicht anders gewohnt sind und doch zeugt es von einem so tiefen Gottvertrauen, daß wir dieses Wort heute gern unserer Erzgebirgsjugend mit auf den Weg geben wollen. Ja, es liegt in diesem „Günther-Wort“, – wenn wir‘s recht betrachten, – ein Stück Wahrheit aus dem Gleichnis biblischer Geschichte von den klugen und törichten Jungfrauen, die da ausgingen, ihren Bräutigam mit den Laternen zu suchen. Ein Licht gehört schon dazu, wenn ihr Mädels und Buben jetzt hinauszieht in die Welt, die ja gerade jetzt so voll ist von Irrwegen, ein Licht, mit dem ihr durch all die Wirrnisse im Dunkel unserer Zeit den rechten Pfad findet: „Das Licht des Glaubens!“ Und wenn man Euch morgen überall im Lande in den Kirchen davon spricht und predigt, dann merkt fein auf, und verliert es nimmer aus den Herzen, was man Euch zu sagen hat. Denn gerade jetzt in unserer Zeit der Oberflächlichkeit und Leichtlebigkeit, da gehört ein gutes Rüstzeug des Glaubens dazu, um das Leben voll Enttäuschungen und Bitternissen zu bestehen. Das Rüstzeug ist Euch gegeben, es ist verankert in den 10 Geboten und in den Hauptstücken, die zu lernen und zu verstehen man Euch in den Konfirmanten-Unterrichtsstunden unterwies. Und nun liegen sie jetzt hinter Euch, die Stunden des Lernens, die Stunden der Schule und mancher wähnt wohl mit dem Palmensonntags-Glockenklang durch eine Pforte zur goldenen Freiheit zu gelangen. Ist mancher und manche von Euch wohl auch heimlich froh, Schule und Elternhaus bald hinter sich zu haben, – und weiß doch nicht, daß das Lernen jetzt erst richtig anfängt. Geht nur hinein in dieses Sonnenland der Freiheit, fragt Eure Eltern und älteren Geschwister, – Ihr werdet‘s bald erfahren, was es Euch bringt. Eine noch härtere Schule ist Dir dieses Zukunftsland, – da erst zeigt sich, wer und was Du bist. Und Prüfungen gibt es ohne Zahl, – Prüfungen, mehr als Ihr je in der Schule erlebt, – Prüfungen im ganzen Leben, – Prüfungen bis zu Eurer letzten Stunde. Gebt acht, daß Ihr sie alle bestehen lernt. Auf die letzte große Prüfung kommt es ja schließlich an, wenn dermaleinst der Weg aus dieser Zeit hinüberführt in die Ewigkeit. Und keiner von uns ist Meister vor seinem Ende, wir alle bleiben ja nur Schüler und Lehrlinge des Lebens, bis uns ein anderer größerer Meister abberuft zu höheren Zielen. Das will die Jugend freilich nicht immer gleich begreifen und sie ist vielleicht zu solchen Ewigkeitsgedanken auch noch nicht reif. Aber das Rüstzeug, das man ihr morgen mit dem Bekenntnis zu Gott auf den Weg geben will, das soll sie doch mit reinem Herzen und in Wahrhaftigkeit empfangen. Darauf allein soll‘s morgen ankommen, daß sie gelobt, auch im künftigen Leben sich zu üben im Gebet und Glauben an Jesum Christum. Beten und Glauben, das will freilich gelernt sein. Da heißt es nimmer nachlassen im Eifer des Lernens, des Beesuches von Kirche und christlichen Unterrichtsstunden, – sonst packt Euch gar schnell die Oberflächlichkeit unserer Zeit. Dann geht‘s im Tanz und Trubel durchs Leben, bewußt oder unbewußt zum Götzendienst vor manchem Laster und goldenem Mammon. Palmensonntagszauber ist dann gar bald wieder vergessen, bis mit irgendeinem harten Schicksalsschlag Euch Gott im Himmel wieder mahnt und zur Einkehr zwingt. Der Sturm des Lebens ist oft gar rauh und kalt. Deshalb auch an dieser Stelle der Heimatzeitung, die Ihr Jungens und Mädels wohl oft schon zur Hand genommen habt, ein Mahnwort zu gutem Glauben an Gott. Ein getreuer Ekkehard dünken wir Euch so in diesen ernsten Palmensonntagsstunden zu sein. Es ist schon so, wie unser Anton Günther sagt: „A Mensch uhne Glaub‘n is a drbarmlicher Wicht, dar kimmt m‘r bal‘ vir, wie ähne Latärr uhne Licht!“
S. S.