Illustrierte Wochenbeilage der „Obererzgebirgischen Zeitung“ Nr. 9 – Sonntag, den 23. Februar 1930, S. 1
Hermannsdorf, vor 700 Jahren von dem Meißner Burggrafen Hermann I. gegründet und damit eine der ältesten Siedlungen des oberen Erzgebirges, gehörte mit dem benachbarten Dörfel zur alten Herrschaft Belberg mit der Burg Wildeck. Diese Herrschaft Belberg bildete vom 13. Jahrhundert an bis ins 15. Jahrhundert hinein eine kirchliche Einheit. Es gehörten hierzu neben noch anderen Dörfern Tannenberg, Hermannsdorf und Dörfel. Hermannsdorf und Dörfel kamen im Jahr 1308 zum Kloster Grünhain.
In diesem Jahre bauten die Grünhainer Zisterziensermönche eine Kapelle. Diese soll unterhalb der jetzigen Kirche gestanden haben. 1429 verschwand diese Kapelle und die Hermannsdorfer und Dörfler erbauten dann weiter oben ein Kirchlein.
Mit einem Kostenaufwand von 20.000 Mark wurde alsdann das Gotteshaus vollständig renoviert. Die Kirche ist 20 Meter lang, 10 Meter breit und 8 Meter hoch, hat einen Dachreiterturm, Holzdecke, einschiffigen Kirchenraum, zwei rundum laufende Emporen. Der Haupteingang befindet sich in der Mitte der südlichen Längsseite. 1850 wurde die Kirche mit steinernen Platten belegt. Die mittlere Glocke ist ein Geschenk der Familie Hecht. 1906 wurde in das Gotteshaus eine Niederdruckdampfheizung eingebaut.
Die erste Kirchenvisitation für Hermannsdorf und Dörfel fand im Jahre 1673 statt. Die erste Kirchschule wurde 1792, die zweite 1863 erbaut. Der beiden Orten gemeinsame Friedhof befindet sich bei der Kirche. Er wurde 1890 nach Nordosten zu erweitert.
Im Jahre 1737 erbaute man das geräumige Pfarrhaus, ein großes Gut mit Landbesitz.
Im Jahre 1599 brach in Hermannsdorf und Dörfel die Pest aus. So wurden 1599 109 Personen aus Hermannsdorf und Dörfel von der Pest dahingerafft.
Nach Einführung der Reformation kam das Kirchspiel vom Klosterbezirk Grünhain nacheinander an das Amt zu Geyer und Scheibenberg, später dann an das Gerichts- und Bergamt sowie an den Amtshauptmannschafts- und Superintendenturbezirk Annaberg.